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Normal Topic Christliche Lebensweise (Gelesen: 685 mal)
Brigitta B
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Mein Herz für JESUS, MARIA
und JOSEF

Beiträge: 4.412
Mitglied seit: 12.10.2006
Geschlecht: weiblich
Christliche Lebensweise
26.04.2011 um 14:16:23
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Christliche Lebensweise

Ausser der Furcht vor der Sünde fordert Gott von uns im Allgemeinen nicht ausserordentliche, sondern alltägliche Werke; denn aus diesen, nicht aus jenen ist unser Leben zusammengesetzt.
In täglichen Werken liebt er Ordnung; denn Er will, dass wir nach der Vorschrift der gesunden Vernunft, und nicht nach bloßer Laune, alle unsere Handlungen einrichten.
Zur Ordnung verlangt Er auch die rechte Art und Weise; denn Er sieht mehr auf das Wie, als auf das Was unseres Wirkens.
Das Gute muss auf eine gute Art geschehen, damit es vollkommen gut sei.

Aus diesen allgemeinen Grundsätzen fließen als Folgerungen nachstehende besondere Grundsätze:

1. Stehe alle Tage zu einer festgesetzten Stunde auf und zwar entschlossen, ohne Entschuldigung; - geschwind, ohne Zaudern; - andächtig; unter frommen Gedanken und Gemütserhebungen zu Gott. Beginne den Tag so, als wäre er der erste, oder der letzte des Lebens.

2. Höre die heilige Messe ehrerbietig: denn das Heilige soll auch dir heilig sein. Das Muster, nach welchem der Mensch sich richten soll, sei der im Garten sich opfernde Christus.
Seine Augen, seine Hände, seine Gebärden waren so beschaffen, dass die äussere Haltung des Betenden die innere Ehrfurcht darstellte und beförderte.
Gleiches fordert von dir der Glaube und das Bekenntnis deines Glaubens. Sei aufrichtig fromm, wie Abel, nicht böse und heuchlerisch wie Kain.
Höre sie aufmerksam: merke vorzüglich auf die Hauptteile. Fange an mit dem Zöllner, und bete bei dem Confictor: "Allgütiger, höchster Gott! sei mir Sünder gnädig!
Ich bekenne meine Schuld, ich bereue sie und flehe um Gnade!" Bei der Opferung bringe dem Herrn dein Herz zum Opfer dar und rufe mit David:
"Gott! verachte nicht ein von Reue zerknirschtes und vom Schamgefühl gedemütigtes Herz."
Bei der Aufhebung der heiligen Hostie bitte mit dem nämlichen, dass Gott ein reines Herz in dir erschaffen wolle.
Bei der Aufhebung des heiligen Kelches bitte wieder demütig mit David, dass Gott den rechten Geist in dir erneuere,
den heiligen Geist nicht von dir nehme, und mit freudigem Geiste dich kräftigen wolle.
Zur heiligen Kommunion schenke dich dem Allerhöchsten, der sich dir geschenkt hat; bete mit dem heiligen Augustin:
"Nimm Besitz von mir, von meinen Augen, Ohren, Händen und Füßen, von meiner Zunge, von meinem Herzen, von meiner Seele, von meinem ganzen Wesen!
ganz bin ich Dein, und ganz will ich ewig Dein bleiben!" - So werden die Anfechtungen zur Zerstreuung abgewiesen und die Ausschweifungen des Gemütes allmählig bezähmt.

3. Bete ruhig an einem Orte, wo dich Nichts drängt und treibt. Das Gewühl der Leute und die Menge der Geschäfte verhindern ein achtsames Gebet.
Bete langsam; wer betet, der betreibt ein wichtiges Geschäft; warum sollte er also eilen?

4. Sei im Umgange freundlich; beleidige nicht, und werde nicht beleidigt, nicht aufgebracht!
Des rohen Ismaels Schuld war es, dass er die Hände Aller gegen sich reizt, weil er seine Hände gegen Alle ausstreckte.
Sei bei vielen Dingen blind, taub und stumm, damit du nicht den Frieden störest und Händel stiftest.
Sei im Umgange vorsichtig; traue weder Allen, noch sei gegen Alle misstrauisch; glaube weder Alles, noch Nichts; lobe weder Alles, noch Nichts.
Du lebst unter Menschen, nicht unter Engeln; sie betrügen zwar nicht immer, aber doch bisweilen; schon oft lag unter der Schafdecke ein Wolf verborgen.

5. Gehorche schnell: als wenn die Stimme des Befehlenden, dem du zu gehorchen hast, vom Himmel ertönte.
Was du blos dem Menschen als solchen leistest, das leistest du mühsam und ohne Verdienst; gehorchest du ihm aber wegen Gott, so wird es dir angenehm und verdienstlich.
Gehorche pünktlich: nicht obenhin, nicht nach dem Scheine als Augendiener; Gott, der befohlen hat, sieht was und wie du handelst. Wollest du ihm ein räudiges Schaf zum Opfer bringen?

6. Iss gedeihlich: dass du dich von schädlichen Nahrungsmitteln enthältst. Auch das süsse Gift bleibt Gift; deine Begierde sei dir - nicht du ihr - untertan.
Iss mässig: so dass du immer nach der Mahlzeit noch mit einiger Esslust aufstehest.
Wer sich nicht gesättigt zu haben wähnt, ausser es sei alle Begierlichkeit gestillt, der nährt nicht sich, sondern er nährt Krankheiten, und zwar Krankheiten an Leib und Seele.
Iss bescheiden: so dass du allen Anstand beobachtest.  Eile mit Weile.

7. Erhole dich ehrbar: hinweg also mit jenen Erholungsarten, woraus der Seele Gefahr erwächst! Gesellschaft, Art und Weise und Ort seien gewählt.
Fliehe die Schlupfwinkel, und habe Ehrfurcht vor deinem Engel!
Erhole dich anständig: Ein Mensch ist dem anderen Achtung schuldig. Wasser und Sand sind an sich rein, wie der heilige Franz von Assis sagt, werden sie aber vereinigt, so entsteht Kot.
So bringt zu grosse Vertraulichkeit mit gleichem Geschlechte Verachtung, mit dem ungleichen Gefahr; denn die Schamhaftigkeit, die Wächterin der Unschuld und Tugend, geht zu Grunde.
Erhole dich fröhlich: doch innerhalb der pflichtmässigen Schranken.
Betrachte die Erholung als Arznei, nicht wie eine alltägliche Nahrung; sie darf genossen werden, aber selten; und dann nur mässig.
Spielen ist an sich nichts Böses; aber zu sehr vom Spiele eingenommen werden, schadet der Seele, und zieht sie von ernsten Gegenständen zu Tändeleien.
Du lebst nicht um zu spielen, sondern du spielst um zu leben und besser wirken zu können.

8. Arbeite und beschäftige dich mit Ordnung: so dass du zuerst den notwendigen Arbeiten, und dann den freiwilligen obliegst.
Wer so handelt, tut nicht, was ihm behagt, sondern was sich zu tun geziemt und nützlich ist.
Die Ordnung ist der königliche Weg, auf welchem man ohne viele Mühe und Umschweife zum Ziele kommt.
Arbeite und beschäftige dich ernstlich: nämlich mit gehöriger Anstrengung der Kräfte.
Gott sieht, unterstützt, belohnt dich; dies soll dich zum Fleiße spornen.
Niemand legt emsiger die Hand ans Werk, als der, welcher sein Auge aufwärts zum Herrn richtet und denkt, für Wen er arbeitet und sich abmühe.

9. Besiege dich selbst oft: so wirst du dich gewöhnen, Herr über dich selbst zu sein.
Die Augen, die Ohren, die Zunge, die Hände, die Füße die Essbegierde, die Liebe, der Zorn, die Sehnsucht, die Furcht, die Traurigkeit,
die Freude werden oft mit Gewalt auf dich eindringen, um dich abwärts zu ziehen: aber sich ziehen lassen, ist nur entseelten oder seelenlosen Körpern eigen;
der lebendige Mensch stemmt sich gegen den reißenden Strom.
Besiege dich selbst starkmütig; ein verzärtelter Weichling ist nicht zu grossen Dingen geboren. Stärke entsteht aus Abhärtung.
Wenn du lang, und viel mehr noch, wenn du fromm leben willst, so lebe nicht weichlich; denn wer sich so liebt, liebt Gott nicht.

10. Freiwillige Andachtsübungen verrichte kurz: denn wenn sie lange dauern, so wirst du sie schlecht verrichten, oder bald unterlassen.
Es kommt nicht darauf an, wie viel du tust, sondern mit welcher Absicht du handelst. Ein Goldstück hat den Wert vieler Silbermünzen.
Auch kurzen Andachtsübungen verleiht der Eifer und die Standhaftigkeit ihren Wert, wie dem Diamant das Feuer und die Härte.
Freiwillige Andachtsübungen verrichte freudig: d.h. frei und ohne traurigen Zwang; sieh, dass du nicht ängstlich werdest, wenn es ratsam ist,
sie mit einem besseren Werke zu vertauschen, oder wenn du aus gründlichen Ursachen sie gänzlich unterlassest. Ein unbeweglicher Mensch ist nur die Bildsäule eines Menschen.
Einem Klugen ist es eigen, seinen Entschluss zu ändern, je nachdem sich die Umstände ändern.

11. Erhebe dein Gemüt oft: wenigstens einmal zu jeder Stunde zu Gott. Was das Atmen für den Körper ist, das ist eine fromme Anmutung für die Seele: sie erfrischt.
Wenn du deine Wohnung verlässt, wenn du die Kirche betrittst, in glücklichen und unglücklichen Ereignissen, in Gefahren des Leibes, in Bedrängnissen der Seele, in misslichen Umständen,
schicke einen Liebesseufzer gen Himmel: er wird die Wolken durchdringen; dein Gebet wird hinauf- und Gottes Erbarmung hinabsteigen.
Erhebe dein Gemüt aufrichtig: flehe zu Gott mit dem Herzen, nicht blos mit dem Munde. Wenn du aber beten willst, so liebe und äußere deine Liebe auf alle mögliche Weise.
Niemand vermeidet sicherer das Böse, als der, welcher auf diese Art gelernt hat, seine Handlungen mit der Liebe zu verbinden.

12. Gebrauche die heiligen Sakramente begierig: denn Christus ruft: das grosse Gastmahl ist bereit. Hast du keinen Hunger?
Gut ist es, dass der Leib faste; die Seele aber soll sich laben, so oft es geschehen kann.
Gebrauche die heiligen Sakramente recht: erscheine dabei nicht ohne hochzeitliches Kleid, welches die heiligmachende Gnade und die Andacht bedeutet.
Dann wird dieses Gastmahl dir immer angenehm und höchst heilsam sein, eine Speise, welche deine Seele mit himmlischen Segnungen und nicht mit Fluch erfüllen wird,
und durch welches du ein Unterpfand deiner ewigen Verherrlichung empfangen, nicht aber das Merkmal der Verwerfung dir aufdrücken wirst.
Erforsche dein Gewissen täglich: weil du täglich sündigst. Wenn du diese tägliche Erforschung versäumst, so wirst du leicht in die Gewohnheit zu sündigen verfallen.
Obschon aber nicht alle Fehler vermieden werden können, so musst du doch die vorsätzlichen Fehler und jede nächste Gelegenheit und Gewohnheit der Sünde fliehen;
auch bei lässlichen Sünden zieht die Gewohnheit eine Reihe von grossen Übeln nach sich.
Erforsche dein Gewissen genau: von Stunde zu Stunde. Der Gekreuzigte hält dir den Spiegel vor; in diesem betrachte dich und erforsche nach diesem dein Haupt, deinen Leib und dein Herz.
Du wirst dich darin erkennen zu deiner Beschämung, - und Schmerz fühlen zu deiner Besserung.
So wird die Nacht glücklich dahin fließen, und ein guter Tag wird folgen, auch wenn du in einer anderen Welt erwachen solltest.

Mit diesen Mitteln zu einem gottseligen Leben sollte jeder katholische Christ, dessen Geschäfte es zulassen, eine tägliche, wenn auch kurze Lesung eines Erbauungsbuches verbinden,
damit die göttlichen Offenbarungen und die Grundsätze der christlichen Vollkommenheit seinem Geiste sich tief einprägen, und selbst im Gedränge der Geschäfte gegenwärtig bleiben.
Geistliche Bücher, wie das neue Testament mit von der Kirche genehmigten Erklärungen, zweckmässige und vom Bischof,
gutgeheissene Auszüge aus der Bibel, die Nachfolge Christi des gottseligen Thomas von Kempen, die Lebensgeschichten der Heiligen und dergleichen fromme Werke,
erleuchten den Geist, erbauen das Herz, erwecken gute Entschlüsse, bewahren, vermehren und stärken die Tugend.
Willst du aber die heilsamen Früchte geniessen, so lies mit Mass, und siehe mehr darauf, wie du liest, als wie viel du liest. Lies aufmerksam, begierig, langsam und mit ruhigem Nachdenken.
Begleite und endige die Lesung mit guten Vorsätzen und Entschlüssen.
Die Kirchengeschichte erzählt uns, dass durch ein solches Lesen geistlicher Bücher sehr Viele, z.b. der heilige Ignatius Loyola, zur Heiligkeit des Lebens geführt worden sind.
Wie lobenswert und heilsam war daher der ehemals so allgemeine Gebrauch, welcher noch jetzt an mehreren Orten in frommen Familien fortbesteht,
dass der Hausvater, besonders an den langen Winterabenden, seinen Hausgenossen etwas Erbauliches vorlas, oder durch die Seinigen vorlesen ließ,
und mit ihnen dann über das Gelesene ein heilsames Gespräch anknüpfte.
Sehr heilsam und ersprießlich ist die Sitte derer, welche ihre Lebensweise am Schlusse eines jeden Monats nach den hier gegebenen Grundsätzen prüfen,
sich durch eine reumütige Beichte von ihren Sünden wieder reinigen, und neue Kraft und Stärke für den kommenden Monat in der heiligen Kommunion suchen.
Wer aber diese Weise seine Tage nach einander verlebt, der wird mit dem heiligen Paulus getrost ausrufen können:
"Ich habe einen guten Kampf gekämpft, meinen Lauf vollendet, den Glauben bewahrt;
im Übrigen ist mir die Krone der Gerechtigkeit hinterlegt, welche mir an jenem Tage geben wird der Herr, der gerechte Richter."


Q: Der Pilgerstab des katholischen Christen, von Pfarrer Aegidius Müller, 1898
« Zuletzt geändert: 03.09.2013 um 23:04:23 von Brigitta B »  

Jesus, Maria und Josef, ich liebe Euch  Smiley rettet Priesterseelen, rettet alle Seelen, erbarmt Euch der Armen Seelen im Fegefeuer, der Sterbenden und der Ungeborenen
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