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Locked Topic Die Welt von innen bewegen (Gelesen: 388 mal)
Angelika
Ritter der Unbefleckten
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Mein Herz gehört JESUS,
MARIA und JOSEF

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Die Welt von innen bewegen
01.02.2012 um 11:48:18
 
Die Welt von innen bewegen

Die Vision des Nikolaus von Cues


Sie kamen in eine uralte Kirche. Und jetzt bot sich dem Kardinal ein wahrhaft ungeheurer Anblick. Tausend und mehr Nonnen beteten in der kleinen Kirche. Sie waren so schmal, dass sie genug Raum hatten. Sie beteten. Aber der Kardinal hatte nie so beten gesehen. Sie knieten nicht, sondern sie standen hoch aufgerichtet. Die Arme hatten sie weit ausgestreckt, die Handflächen nach oben.

Denn das war das Ungeheure: Sie trugen in ihren armen schmalen Händen Männer und Frauen, Kaiser und Könige, Städte und Länder. Manchmal schlossen sich etliche Händepaare um eine Stadt zusammen, oder ein Land ruhte auf einer ganzen Mauer stützender Arme, und auch da noch war um jede Betende ein Raum von Stille und Abgeschlossenheit. Nikolaus sah in den Händen einer ganz schmalen, jungen, fast kindhaften Nonne den Papst.

Man sah, wie schwer sie an ihrer Last trug, aber ihr Gesicht war vom Glanz der Freude überstrahlt. Eine ältere Nonne trug den Bischof von Todi, der ihrer Sippe angehören mochte. Auf den Händen einer der älteren Schwestern ruhte er selber. Nikolaus von Cues, Bischof von Brixen, Kardinal der römischen Kirche. Fast schien es ihm, als ob die Hände dieser Nonne, die einer Bäuerin seiner Moselheimat nicht unähnlich waren, an ihrer Last leichter trügen als andere...

Er sah das alles mit großen erschrockenen Augen. - Aber in seinem Schrecken mischte sich bald eine unsägliche Seligkeit ...Livia, die immer noch neben ihm stand, flüsterte ihm zu: "Da seht Ihr nun, wie die Sünder gehalten werden, die trotz ihrer Sünden nicht aufgehört haben, den Herrn zu lieben."

"Aber was ist mit denen, die nicht mehr lieben?" fragte er - und da war sie mit ihm in der Krypta der Kirche, wo abermals tausend und mehr beteten. Aber wenn jene die zu Haltenden mit ihren Händen trugen, so taten diese es mit ihren Herzen...

Um sie war eine Luft eisiger Kälte, die um das Schicksal unsterblicher Seelen waltete. "Seht Ihr, Kardinal", sagte Livia, "so werden auch diese noch gehalten, die aufgehört haben zu lieben. Zuweilen geschieht es, dass sie wieder warm werden an der Glut der Herzen, die sich verzehren."

Der Kardinal blickte gebannt auf diese sich opfernden Frauen. Er hatte immer gewusst, dass es sie gab..., aber es war ihm nie so offenbar geworden wie jetzt, was sie für die Welt, für die Völker und für jeden einzelnen bedeuteten - und jetzt ging es ihm fast erschreckend auf. Er beugte sich tief vor diesen Märtyrerinnen der Liebe, und fast hätte er der nächsten Worte seiner Führerin nicht mehr bedurft. Sie sagte:

"Das vergesst Ihr oft, Ihr Tätigen, Ihr Fleißigen, die Ihr die Welt bewegt, dass Gott nicht aufgehört hat, sie von innen zu bewegen. Auch dazu erwählt er Menschen, aber schweigende, hingeopferte, solche, die gewissermaßen an das Kreuz seines Sohnes geschlagen werden. Ihr habt reformiert, und andere werden reformieren. Ihr seid kleinmütig gewesen. Aber über Eure Reform und über Euren Kleinmut steht die Erbarmung der Erbarmenden, wie Ihr sie nun habt sehen dürfen.
"

Q: aus Kirschweng: "Das Tor der Freude"
« Zuletzt geändert: 23.09.2013 um 09:20:34 von Brigitta »  
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