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Normal Topic Abtötung (Gelesen: 435 mal)
Brigitta B
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Mein Herz für JESUS, MARIA
und JOSEF

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Mitglied seit: 12.10.2006
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Abtötung
10.08.2016 um 23:29:25
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Thomas von Kempen schreibt in der "Nachfolge Christi": "Wir werden nur in dem Grade in der Vollkommenheit zunehmen, als wir uns Gewalt antun."

"Gewalt antun" klingt dramatisch - und ist es irgendwie auch, jedenfalls in den Augen unserer gefallenen Natur, die Glück, Spaß und Schmerzfreiheit anstrebt.
Auch unser Herr gebraucht dieses Wort:
"Das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalt gebrauchen, reißen es an sich." (Mt 11,12)
Was soll denn das heißen? Sollen wir nun alle gewalttätig werden?

In gewissem Sinne ja, nämlich überall dort, wo es um unser Ego und um unser Fleisch geht.
Dabei meint "Gewalt" nicht, dass wir uns unbarmherzig geißeln sollen oder mit "roher Gewalt" uns unserer Gesundheit usw. berauben.
Klarer wird die Sache, wenn wir den Ursprung des Wortes "Gewalt" betrachten:
das althochdeutsche Wort "waltan" bedeutet so viel wie "stark sein"
oder "beherrschen".
Das lateinische Wort für "Gewalt", das auch in der Vulgata verwendet wird, ist "violens";
es stammt vom lateinischen Wort "vis" ( = Kraft, Stärke, Ungestüm, Anstrengung).
Wir sollen uns also beherrschen lernen, uns Stärke aneignen!

Und wie können wir das tun?
Manche Antworten, die auch Thomas von Kempen in seinem Werk gibt, mögen in unseren Augen fast schon lächerlich anmuten,
weil sie so einfach sind - aber hochwirksam!!
Man soll grundsätzlich nicht neugierig sein, beim Gehen auf der Straße nicht unnötig herumschauen, unnützes oder auffälliges Reden vermeiden,
nicht laut schreien oder ungebändigt lachen, nicht gleich klagen in der Krankheit, nicht jammern über das Wetter und andere Umstände,
so weit möglich nicht außer der Zeit essen, beim Essen nicht gierig schlingen oder nach Leckerbissen verlangen,
vorgesetzte Speisen nicht tadeln, nicht neugierig-hastig seine Post öffnen, nicht zu lange schlafen,
sich manch erlaubte Unterhaltungen und Vergnügungen versagen, sich ab und zu in die Einsamkeit zurückziehen,
nicht ohne Grund von sich selbst sprechen und soweit möglich niemandem widersprechen.

Warum solche kleinen, merkwürdigen Übungen?
Was sollen sie bewirken? Ganz einfach:
diese Abtötungen sind nicht schwer.
Jeder kann sie in seinen Tagesablauf einbauen.
Und um überhaupt Fuß zu fassen in der Abtötung, ist es wichtig, dass man klein beginnt, sonst wird man Großes nie leisten können:
"Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen." (Mt 25,21.23)

Die Heiligen übten weit strengere Abtötungen, die aber nicht grundsätzlich und jedem empfohlen werden können.
Ein hl. Johannes der Täufer beispielsweise übte die Selbstbeherrschung im höchsten Grade.
Auch der hl. Paulus sagt von sich:
"Ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Dienstbarkeit, damit ich nicht selbst verworfen werde, nachdem ich anderen gepredigt habe." (1 Kor 9,27)

Die Katholische Kirche sucht ihre Gläubigen durch die Fastengebote zur Selbstbeherrschung anzuleiten.
Die Selbstbeherrschung ist eine Art Martyrium, wie der hl. Bernhard sagt.
Und der hl. Gregor der Große fragt:
"Ist es nicht ein Märtyrertum, bei Überfluss an Speisen zu fasten, bei Reichtum die Lasten der Armut zu fühlen?"
Wer sich selbst beherrschen kann, ist ein König; denn anstatt sich als Gefangener von seinen Begierden fortschleppen zu lassen,
gebietet er ihnen.
"Ein solcher ist ein Sieger; er gewinnt einen Sieg über seine bösen Begierden, und zwar ohne Blut und ohne Schweiß", so sagt der hl. Cyprian von Karthago.

Die Selbstbeherrschung ist ein wesentliches Kennzeichen eines wahren Christen:
"Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst." (Mk 8,34)
Das heißt nichts anderes als "Wer Christ sein will, der übe sich in der Selbstbeherrschung".
Deshalb sagt auch der hl. Paulus:
"Die aber, welche Christen sind, haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Lastern und Gelüsten." (Gal. 5,24)
Und der hl. Alfons Rodriguez sagt uns, woran wir erkennen, ob wir in der Abtötung bereits fortgeschritten sind:
"Ein lebender Fisch schwimmt gegen den Strom, ein toter wird vom Strome fortgerissen.
Ebenso kannst du leicht erkennen, ob du vom Geist Gottes belebt, oder ob du tot bist;
du darfst nur sehen, ob du gegen den Strom deiner schlechten Begierden wandelst, oder ob du dich von ihm fortreißen lässt."

Sich selbst zu bekämpfen und sich sogar erlaubte Dinge zu versagen, ist sicher der schwerste Krieg, aber gleichzeitig der schönste Sieg.
Dass die Welt fordert, man müsse sich ausleben und "selbst verwirklichen", zeigt nur,
dass sie dem Christentum und der Botschaft Jesu direkt entgegengesetzt ist.
Durch die Übung in der Selbstbeherrschung wird nämlich unser Verstand erleuchtet,
unser Wille gegen das Böse gestärkt, und wir erlangen wahren Seelenfrieden - "nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt" (Joh 14,27).

Die Nachfolge Christi als begleitende und inspirierende Lektüre ist jedem Gläubigen sehr zu empfehlen;
viele Heilige und Päpste zitierten sie und lasen sie oft, so z. B. der hl. Pius X. und seine beiden Nachfolger gleichen Namens auf dem Stuhl Petri,
und der hl. Johannes XXIII. sagte über dieses Buch gar:
"Oh, das wird für immer mein liebstes Buch und eines meiner kostbarsten Besitztümer sein!"
  

Jesus, Maria und Josef, ich liebe Euch  Smiley rettet Priesterseelen, rettet alle Seelen, erbarmt Euch der Armen Seelen im Fegefeuer, der Sterbenden und der Ungeborenen
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