Willkommen Gast. Bitte Einloggen
YaBB - Yet another Bulletin Board
 
   
 
 
Normal Topic Von dem König, der Gott sehen wollte (Gelesen: 25 mal)
Inka
Ritter der Unbefleckten
****
Offline


In tiefer Liebe für JESUS,
MARIA und JOSEF

Beiträge: 2.717
Standort: Ruhrgebiet
Mitglied seit: 20.08.2006
Geschlecht: weiblich
Von dem König, der Gott sehen wollte
19.01.2018 um 10:37:55
Beitrag drucken  
Da gab es einen Herrscher, der viel erlebt hatte. Nun wollte er unbedingt auch Gott sehen. Und weil er ein absoluter Herrscher war,
so befahl er seinen Priestern und Weisen, ihm innerhalb einer bestimmten Frist diesen Wunsch zu erfüllen. Natürlich konnte das keiner.
Und schon war man traurig über die Strafe, die der König aussprechen würde. Da kam ein Hirte vom Felde, der von des Königs Befehl
gehört hatte, und sagte: "Erlaube mir, König, deinen Wunsch zu erfüllen!" - "Gut", entgegnete der König, "aber bedenke, es geht
um deinen Kopf." Der Hirte führte den König auf einen freien Platz und zeigte ihm die Sonne. "Sieh hin", sagte er. Der König hob seine
Augen und wollte die Sonne sehen. Aber der Glanz blendete ihn, und er senkte den Kopf und schloss die Augen. "Willst du, dass ich
erblinde?" sagte er zu dem Hirten. "Aber, König, das ist doch nur ein Ding der Schöpfung, ein schwacher Abglanz der Grösse Gottes,
ein kleines Fünklein eines flammenden Feuers. Wie willst du mit deinen schwachen, tränenden Augen Gott sehen ? Suche ihn mit
anderen Augen." Der Einfall gefiel dem König. Er sagte zu dem Hirten:"Ich erkenne deinen Geist und sehe die Grösse deiner Seele.
Antworte nun: Was war vor Gott?" Nach einigem Nachdenken sagte der Hirte:"Sei nicht zornig wegen meiner Bitte, König, aber zähle !..."
Der König begann:"Eins, zwei..." - "Nein", unterbrach ihn der Hirte," nicht so, fang mit dem an, was vor Eins kommt!" - "Wie kann
ich denn? Vor eins gibt es doch nichts." - "Sehr weise gesprochen, Herr ! Auch vor Gott gibt es nichts." Diese Antwort gefiel dem
König noch besser als die vorhergehende. "Ich werde dich reich beschenken; vorher aber antworte noch auf die dritte Frage. Was macht
Gott?". der Hirte sah, daß des Königs Herz weich geworden war. "Gut", sagte er, "auch darauf will ich dir antworten. Nur um eines bitte
ich dich: Lass uns die Kleider für kurze Zeit tauschen." Und sie tauschten die Kleider. Und der Hirte sagte:"das macht Gott: Er stieg vom
Thron seiner Erhabenheit und wird einer von uns, er gibt uns, was er hat, und nimmt an, was wir haben und sind......."


Schriftsteller Leo Tolstoi (1828-1910)
  

Der Himmel auf Erden ist überall,
wo ein Mensch von Liebe zu Gott, zu seinen
Mitmenschen und zu sich selbst erfüllt ist.

Hildegard von Bingen
Zum Seitenanfang
 
IP gespeichert