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Normal Topic Der Kommuniontag (Gelesen: 179 mal)
Sr.Theresia
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Mein Herz gehört JESUS,
MARIA und JOSEF

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Der Kommuniontag
23.04.2019 um 10:35:23
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Lorchen, das Waisenkind


Lorchen, ein vierjähriges Kind, kam ins Waisenhaus. Sie zeigte manche böse Eigenschaft. Sie log, sie naschte, war eigensinnig und zänkisch. Die guten Schwestern mussten viel Geduld üben, verloren aber den Mut nicht, dass Gott helfen werde. Das Kind war nicht ohne Talente. In der Schule kam es recht gut mit, aber unartig war es noch immer. Da ließ eines Tages die Oberin das Kind zu sich kommen und sprach zu ihm:
„Mein Kind, du bist jetzt schon drei Jahre in der Schule und sollst im nächsten Jahr zur ersten Heiligen Kommunion gehen; d.h. Gott selbst wird dann zu dir kommen. Wolltest du den unendlich großen Gott wohl in ein Herz aufnehmen, das noch mit so vielen Unarten angefüllt ist?“
Lorchen weinte und versprach, sich zu bessern.
„Das wird dir viele Mühe kosten,“ sagte die Oberin, „aber die Mühe musst du dir geben. Sieh, mein Kind, wenn der Kaiser ansagen ließe, dass er unserem Hause einen Besuch machen würde, dann bliebe kein Zimmer, kein Eckchen ungesäubert. Damit würde man sich aber nicht zufriedengeben; man würde das ganze Haus aufs prächtigste schmücken und nichts sparen, den Landesfürsten einen herrlichen Empfang zu bereiten. Nun siehe, der Herr und König Himmels und der Erde will zu dir kommen. Was willst du tun, damit er einkehren kann in dein Herz und nicht zu zürnen braucht?“
Lorchen versprach unter vielen Tränen, jeden Fehler bis dahin ablegen zu wollen. Die Oberin gab ihr nun ein Notizbüchlein. Auf jedem Blatt war ein Fehler verzeichnet, und Lorchen musste sich notieren, wie oft es den Fehler beging.
Die Oberin sagte:
„So oft du am Tage, trotz der guten Meinung und des Vorsatzes am Morgen gegen einen dieser Fehler gefehlt hast, gehst du abends in die Kapelle und bittest den lieben Gott um Kraft, den Fehler nicht mehr zu begehen.“
Lorchen versprach es und hielt Wort. Vom ersten Tage an gab sie sich alle Mühe. In der Schule hörte man keine Klagen mehr. Lorchen war fleißig, aufmerksam und folgsam. Jeden Abend kniete sie vor dem Allerheiligsten und betete um Gnade und Kraft, die Fehler zu meiden. Gott erhörte das demütige, innige Gebet des Kindes. Die Schwestern waren alle erfreut über ihre Umwandlung.

Fortsetzung folgt…


  
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Re: Der Kommuniontag
Antwort #1 - 24.04.2019 um 05:48:54
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Einmal wollte Lorchen mittags kein Obst nehmen. Alle Kinder nahmen freudig einen Apfel und bissen hinein, Lorchen ließ ihn liegen. Die Tischschwester glaubte, Lorchen sei eigensinnig, und sie durfte mit den anderen Kindern nicht hinausgehen. Die Oberin kam dann zu dem Kinde. Lorchen sagte:
„Ehrwürdige Mutter, verzeihen Sie mir, ich habe gestern einen Apfel gestohlen, und darum durfte ich heute Mittag keinen essen;“ sie zeigte ihr Notizbüchlein mit dem dicken Strich. Die Oberin sagte:
„Nun weine nicht, weil du die Wahrheit gesagt hast, hat dir Gott verziehen, sei wieder recht brav, und geh hinaus zum Spielen.“
Lorchen nahm sich jetzt immer mehr zusammen. Sie gab den Schwestern keine Veranlassung mehr zum Tadel. Nachdem der Kommunionunterricht begonnen, wurde der Eifer noch größer. Lorchen konnte am besten den Katechismus und war das aufmerksamste und bescheidenste Kind in der Schule. Jeden freien Augenblick benutzte sie, um vor dem allerheiligsten Sakramente zu beten. Nun kam im schönsten Sonnenschein der große, heilige Kommuniontag. Die Klosterkirche war festlich geschmückt mit Kränzen, Blumen und Lichtern. Die Kinderschar in weißen Kleidern, mit Blumen im Haar, Kerzen tragend, zog ein und kniete dann, in Andacht versenkt, in der Mitte der Kapelle nieder. Nach der Kommunion des Priesters stimmte der Chor an:
„Lasst die Kinder zu mir kommen.“
Lilien und Kerzen tragende Kinder führten die Kleinen an die Stufen des Altares, und Jesus zog in die Herzen, die so lange für ihn geschlagen und sich für ihn geschmückt und geheiligt hatten.

Fortsetzung folgt …




  
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Re: Der Kommuniontag
Antwort #2 - 25.04.2019 um 10:38:34
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Die Kinder blieben den Tag über gesammelt, trotz der Besuche, welche einige von ihnen bekamen. Vor allen anderen aber zeichnete sich Lorchen aus. Ihre Wangen glühten, und sie schien gleichsam innerlich mit ihrem Heiland zu verkehren. Sie sagte zur Oberin:
„Nun ist Jesus bei mir, jetzt muss ich ihm ganz angehören.“
Ebenso erbaulich, wie sie den ersten Kommuniontag zubrachte, so andächtig und in Gott versenkt war sie auch bei den anderen Kommunionen. Der Beichtvater hatte ihr die öftere heilige Kommunion erlaubt, worüber sie sehr glücklich war. Lorchen war ein Musterkind geworden. Ausgezeichnet durch stille Frömmigkeit, freudigen und pünktlichen Gehorsam, Fleiß, Bescheidenheit, Freudigkeit, fiel sie jedem auf. Jetzt war sie die Freude aller Schwestern. Weil sie auch talentvoll war, sollte sie studieren und Lehrerin werden. Sie berechtigte durch ihre vortrefflichen Anlagen zu den schönsten Hoffnungen für den Lehrerinnenberuf. Das Studium war ihre Freude, kein Fach machte ihr Schwierigkeiten. Stets wandelte sie in Gottes Gegenwart, an Gott denkend, aus Liebe zu ihm arbeitend. Dabei bewahrte sie Liebe, Ehrfurcht und Dankbarkeit für die Schwestern, und suchte, wo sie nur eben konnte, in kleinen Dienstleistungen ihren Dankesgefühlen Ausdruck zu geben. Im letzten Studienjahr freute sie sich schon kindlich auf ihren schönen Beruf. Der liebe Gott aber hatte es anders beschlossen. Er schenkte ihr ein schmerzliches Krankenlager. So freudig wie sie studiert und gearbeitet hatte, litt sie jetzt ergeben in Gottes heiligsten Willen große Schmerzen. Traurig standen ihre Mitschülerinnen an ihrem Lager, beklagten ihr Schicksal und bemitleideten sie in ihren Schmerzen, aber sie blieb heiter und sagte:
„Gott ist gut, er weiß, was für uns heilsam ist, sein Name sei gepriesen.“
Sie erbaute durch ihre Geduld im Leiden jeden, der mit ihr in Berührung kam. In den letzten acht Tagen konnte sie fast nichts mehr genießen, aber glückstrahlend empfing sie täglich die heilige Kommunion.
„Es nahet nun bald,“ sagte sie, „mein schönster Tag, die letzte heilige Kommunion. Sie gleicht der ersten und dann kommt die glückselige ewige Kommunion.“
Nach drei Tagen starb sie mit den Worten:
„Mein Jesus, komm, ich bin bereit.


  
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