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Normal Topic Opfer fuer den Glauben (Gelesen: 222 mal)
Sr.Theresia
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Mein Herz gehört JESUS,
MARIA und JOSEF

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Opfer fuer den Glauben
09.05.2019 um 10:48:38
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Opfer für den Glauben


Im Anfange der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lebte im schönsten Teile Klein Russlands ein frommer Graf, beliebt und allgemein geachtet wegen seiner Leutseligkeit und seines väterlichen Wohlwollens gegen jedermann. Seine Gattin war ebenfalls sehr fromm und hatte eine überaus wohlwollende, zärtliche Liebe für Arme und Bedrängte. Drei liebe Kinder erhöhten das Glück dieses Hauses, zwei schöne, kräftige Knaben mit verständigem Blick und klarer Auffassungsgabe und ein liebliches blondlockiges Mädchen. Die kluge, fromme Gräfin war bemüht, eine innige Liebe zu Gott und zur Tugend, zur allerseligsten Jungfrau Maria und zum Gebet recht tief ihren jungen Seelen einzupflanzen. Sie ließ sie von vortrefflichen Lehrern unterrichten und erziehen und beteiligte sich selbst mit daran. Die lieben kleinen horchten auf die guten Lehren und prägten sie tief ihren jungen Herzen ein; sie hüteten sich sehr wohl, etwas zu tun, was nur im Geringsten das Auge Gottes scheuen musste. Wenn die Kinder im wohlgepflegten Schlosspark spielten, glaubte man, wegen ihres Verhaltens Engelchen zu sehen. Im ganzen Schloss war kein Misston wahrzunehmen, auch die Dienerschaft war in Liebe und Ehrfurcht ihrer Herrschaft zugetan. Alles griff harmonisch ineinander. Glückliches Heim, über welchem die Sonne des Friedens und der Freude nicht unterzugehen schien! Diese Sonne strahlte auch lieblich für die Umgebung, für alle Armen und Bedrückten. Es ging vom Schloss kein Unglücklicher, kein Armer ungetröstet, unbeschenkt hinweg. Auch den Kindern war es eine Freude, die Armen zu begrüßen und reichlich zu beschenken.

Gott ließ es zu, dass auch in diesem glücklichen Hause das finstere Leid einzog. Schwere Prüfungen ließ der liebe Gott über die fromme Familie hereinbrechen.


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Re: Opfer fuer den Glauben
Antwort #1 - 09.05.2019 um 13:18:40
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Zuerst erkrankte das jüngste Kind, das herzige vierjährige Töchterchen, und kam dem Tode nahe. Mit banger Sorge standen Graf und Gräfin an dem Bett der lieben Kleinen, das noch so freundlich sie anlächelte und fragte:
Komme ich jetzt in den Himmel zum lieben Gott und den Engeln?
O armes Vater- armes Mutterherz! Wirklich kam der Tod, um dieses zarte Blümlein noch in der Knospe zu pflücken. Die beiden Knaben beteten so innig, Gott möge ihnen das liebe Schwesterchen lassen, aber Gott nahm es zu sich. Die frommen Eltern, erwägend, dass Gott nach seinem unerforschlichen Ratschluss dieses Opfer von ihnen fordere, blieben ruhig und ergeben in Gottes allerheiligsten Willen, wenn auch die Tränen reichlich flossen an der kleinen Leiche und später an dem Grabe des teuren Kindes. Kasimir und Arthur, die beiden Söhne, verdoppelten nun ihre Liebe zu den Eltern, sie sprachen zu ihnen:
Wir wollen Mariechen ersetzen und euch, geliebte Eltern, um so inniger lieben und erfreuen.“
Sie waren auch wirklich die Freude und der Trost der Eltern.
Dieser erste Schmerz war noch nicht überwunden, als für Russland und Polen eine furchtbare Schreckenszeit eintrat. Furchtbares Schicksal, Tod und Verderben drohte dem edlen Grafengeschlechte. Man suchte die Katholiken durch schweren Druck zum Abfalle von ihrer Religion zu bewegen. Das Volk empörte sich, aber diese Empörung diente nur dazu, das Los dieses armen Volkes noch trauriger zu machen. Scharenweise wurden Priester und Mönche, Adlige und sonst hervorragende Personen unter dem Vorwande, sie hätten sich an der Empörung beteiligt, in den Kerker geworfen und teils getötet, teils nach Sibirien verbannt.
Graf und Gräfin ahnten ihr Schicksal, das sie einstweilen noch vor ihren Kindern geheim hielten. Die Kinder aber jammerten schon, weil man ihren Schlosskaplan und ihren Lehrer gefangen weggeführt hatte. Der Graf beriet sich mit seiner Gattin, und schnell schickte man Boten zum Knabenkonvikt in Paris; dort sollten die beiden Knaben aufgenommen und herangebildet werden. Die Gräfin hatte noch eine Verwandte dort, welche sie bat, von Zeit zu Zeit nach den Kindern zu sehen. Das gräfliche Paar zitterte um seine Kinder. Zu ihrem größten Troste kam mit dem Boten ein geistlicher Lehrer der Schule gleich mit, um die Knaben abzuholen. Nun kam der schmerzliche Abschied für alle, für die Eltern, welche daran denken mussten, ihre Kinder vielleicht in diesem Leben nie wieder zu sehen, für die Kinder, welche sich trennen mussten vom teuren Vater-, vom liebenden Mutterherzen, vom väterlichen Schloss, von der Kapelle und all den trauten Stätten ihrer kindlichen Spiele. Der geistliche Herr tröstete sie. Die Eltern trennten sich von den Kindern mit den Worten:
Liebe Kinder, es muss sein, Gott will es. Ziehet hin mit Gottes, mit eures Vaters, mit eurer Mutter Segen. Seid gehorsam, brav und fromm. Gott wird euch nie verlassen, weinet nicht.
Noch einmal küssten sie ihre Kinder, dann kehrten sie schweren Herzens ins Schloss zurück. Doch nicht für lange Zeit; noch am selben Abend wurde der Graf, der als treuer Katholik bekannt war, gefänglich eingezogen, und sein Urteil lautete: „Nach Sibirien.“ Schrecklich war diese Nachricht für die arme Gräfin. Händeringend stand sie da, verlassen von Gemahl und Kindern. Sie eilte in die Kapelle, warf sich vor dem Tabernakel nieder, umfasste das Kreuz und flehte um Kraft und Trost in so schweren Ölbergstunden. Nachdem sie so einige Zeit gebetet, wurde sie ruhiger, es kam ihr Kraft von oben. Sie dachte an die Leiden des Heilandes, die Kürze der Zeit und die ewig dauernden Himmelsfreuden. Als treues Kind der Kirche ergab sie sich.


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Re: Opfer fuer den Glauben
Antwort #2 - 10.05.2019 um 08:03:14
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Die Leiden wurden indessen immer größer. Nach zwei Tagen nahm man auch die Gräfin gefangen. Sie kam vorläufig in ein Frauengefängnis und musste dort niedrigste Dienste verrichten. Wenn sie ihrer Religion entsagt hätte, dann wäre sie frei gewesen; aber nichts lag ihr ferner als das. Sie blieb standhaft, wie sehr man auch auf sie eindringen mochte, die Staatsreligion anzunehmen. Sie betete im Stillen um Kraft. Sie sagte oft:
Ja, Herr, ich will den Kelch der Leiden trinken, wie du ihn getrunken hast. Tut´s auch noch so wehe, Herr, dein Wille geschehe!“ In all ihrem Leid gedachte sie immer betend ihres Gatten und ihrer Kinder. Doch wieder eine neue Wunde. Sie erhielt nach einigen Monaten Kunde, dass der Graf den schweren Strapazen, den großen Leiden im eisigen Sibirien erlegen sei. Er war tot, gestorben für seinen heiligen Glauben, der ihm über alles teuer war. Er starb als Märtyrer. Ein neuer Schlag für die arme Gräfin, eine neue Wunde, die so bald nicht vernarben wollte. Sie litt sehr schwer, aber ergeben in Gottes heiligen Willen.

Ein treuer Diener des gräflichen Hauses zog insgeheim von Zeit zu Zeit Erkundigungen über seine hohe Herrschaft ein. So berichtete er denn das traurige Ereignis, den Tod des Grafen und die Gefangenschaft der Gräfin dem Direktor des Knabenkonviktes in Paris, damit die edlen Söhne von dem Schicksal ihrer hohen Eltern Kunde erhielten. Allmählich machte der hochwürdige Pater Rektor die Knaben damit bekannt. Untröstlich waren die armen Kinder, die so schweres Leid schon an ihrem jungen Lebensmorgen tragen mussten. Nur der Gedanke an Gottes Allwissenheit und Güte, der Wunden schlägt und wieder heilt, die innige Liebe zu Gott, dem besten Vater, dem zuliebe sie sich dem strengen Studium mit allem Fleiß unterziehen wollten, half ihnen ein wenig über den furchtbaren Schmerz hinweg. Sie beteten aber täglich lang und innig für ihre treuen Eltern. Ihre kindliche Liebe zu den Eltern nahm durch das schwere Leid nur noch mehr zu. Wenn der jüngere Arthur seinem älteren Bruder den Sehnsuchtsschmerz klagte, pflegte Kasimir zu sagen:
Gott sieht uns, klagen wir ihm unser Leid; zur rechten Stunde wird er helfen; ich hege die Hoffnung, dass Mama uns noch hier begrüßen wird.
Arthur sagte dann: „O, wenn das wäre!“
Bete und vertraue, Gott wird helfen,“ entgegnete Kasimir.
Wegen seiner vorzüglichen Geistesgaben und seiner zarten Frömmigkeit wurde Kasimir, obwohl noch nicht zwölf Jahre alt, zur Vorbereitung für die erste heilige Komunion zugelassen. Das war für Kasimir eine große Freude. Sein Herz schlug jetzt einzig für seinen Gott, dem er seine Leiden, seinen stillen Sehnsuchtsschmerz, alle seine Arbeiten täglich opferte. In der Klasse war er der bescheidenste, an Tüchtigkeit und Kenntnissen der erste Schüler. Er war die Freude seiner Lehrer. Von allen geachtet und geliebt, blieb er stets freundlich und wohlwollend gegen jeden seiner Mitschüler. Je näher der große Tag kam, desto mehr nahm seine Liebe zu Jesus im heiligsten Sakrament zu. All seine freie Zeit verwandte er zum Gebet vor dem allerheiligsten Sakramente. Seine glühende Liebe zu Jesus im heiligsten Sakrament wusste er kaum Ausdruck zu geben.
O Jesus, du willst zu mir kommen,“ sagte er in seiner Liebe oft ganz laut, „lasse auch meine treue Mutter an diesem Glücke teilnehmen. O führe sie hierhin!“ Er fühlte sich stets getröstet und innerlich zufrieden und glücklich, wenn er so gebetet hatte. Seinem Bruder sagte er:
Bete, mein lieber Bruder, an meinem großen Tage wird unsere liebe Mutter hier sein.“ Arthur konnte es nicht glauben, und sagte dann:
Wie wäre das möglich! Mama gefangen, und diese weite Reise!“
Kasimir erwiderte darauf: „O Arthur, bei Gott ist kein Ding unmöglich, wenn es nur zu unserem Heil ist!“ Er betete weiter, er hätte die ganze Nacht beim heiligsten Sakrament verweilen mögen, wenn es ihm nur wäre gestattet worden. Seine Lehrer mussten manchmal seinen heiligen Eifer dämpfen. Er gehorchte dann jedes Mal sofort und freudig.
Seine innige Liebe zu Gott gab ihm ein, sein ganzes späteres Leben Gott zu weihen.
Ich werfe mich in deine Arme, o mein Gott,“ sprach er, „mache aus mir, was dir gefällt; gib mir deine Gnade, damit ich dich nie im Leben schwer beleidige.“
Wenn auch sehr jung, so hatte das Schicksal seines Vaterlandes, das traurige Los seiner edlen Eltern ihn früh gereift, und sein junges Herz verständig und für alles höhere empfänglich gemacht.
Du willst deines frommen edlen Vaters würdig werden,“ sagte er sich; „die arge Welt soll dich nicht in ihre Fallstricke ziehen.“ Er stellte sich selbst eine Lebensregel auf, die er seinem Beichtvater vorlegen, und die er dann pünktlich und treu halten wollte:

1.      Mein Grundsatz soll sein: die Kirche zu hören und in keinem Punkt von ihren Vorschriften abzuweichen.
2.      Mein erster Gedanke soll Gott sein und den ganzen Tag will ich mich in Gottes Gegenwart halten.
3.      Beim ersten Zeichen am Morgen will ich aufstehen, auch in der freien Ferienzeit nie über 6 Uhr im Bett bleiben.
4.      Täglich will ich der heiligen Messe beiwohnen, oder dem Priester am Altare dienen.
5.      Täglich will ich den Rosenkranz beten und, wenn mir möglich, auch die kleinen Tagzeiten der lieben Mutter Gottes.
6.      Üblen Nachreden, bösen Reden werde ich niemals mein Ohr leihen.
7.      Gegen Arme will ich stets liebevoll sein und gern Almosen spenden.
8.      Meinen Pflichten als Schüler, überhaupt meinen Standespflichten werde ich stets aufs pünktlichste entsprechen.
9.      Neigungen zur Eitelkeit, Trägheit, Zank, Eigensinn, Naschhaftigkeit will ich festen Widerstand entgegensetzen.
10.      Ich will nur mit Erlaubnis und nach Aufforderung an den Spielen und Vergnügungen teilnehmen, nie aber unerlaubten.
11.      Ich will mich an Feiertagen im Essen und Trinken abtöten; ebenso an Samstagen zu Ehren der lieben Mutter Gottes.
12.      Ich will auf das gute Beispiel anderer achten und selbst mich bemühen, ein gutes Beispiel zu geben.
Diese Lebensregel gab er seinem Beichtvater und bat denselben, hinzuzusetzen oder abzuändern, wie er es für gut fände. Gern sah dieser sie durch. Den ersten Punkt wollte er insoweit abgeändert wissen, dass er seine Mahlzeiten so nehmen müsse, wie sie ihm gegeben würden, damit er seiner Gesundheit nicht schade. Auch dürfe er die Erholungen nicht verkürzen. „Im Übrigen,“ sagte er, „befolge diese Lebensregel. Gott wird dich segnen, mein Sohn.“
Kasimir kam allen Wünschen seiner Lehrer zuvor. Er tat alles in Gott, mit Gott, aus Liebe zu Gott.
Endlich kam der langersehnte große Tag. Die Kirche prangte schon in herrlichem Schmuck für die Feier des Tages. Die Eltern und Verwandten der Schüler hatten sich alle eingefunden, um der heiligen Handlung beizuwohnen. Für Kasimir allein war niemand gekommen; ach, und er hatte doch so kindlich gehofft, Gottes Fügung würde seine teure Mutter herführen. Die Glocke läutete, und die Schüler begaben sich alle in den Schlafsaal. Still und ganz ergeben, in Gott versenkt, ging auch Kasimir in sein Schlafzellchen.

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Re: Opfer fuer den Glauben
Antwort #3 - 10.05.2019 um 17:56:06
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Kehren wir nun zur Gräfin zurück. Willenlos hatte sie sich in ihr hartes Schicksal ergeben. Sie arbeitete vom Morgen bis zum Abend, und wenn die Peiniger sie manchmal die Peitsche fühlen ließen, so blieb sie geduldig und brachte sich als Opfergabe ihrem Gott und Herrn dar. Da sie von ihrer Religion nicht lassen wollte, so wurde sie zu schwerer Gefangenschaft nach Sibirien verurteilt. Gleich anderen Tages sollte sie mit noch einigen Frauen dahin abgeführt werden. Sie gedachte ihres teuren Ehegatten, der so ergeben für seinen heiligen Glauben in die furchtbare Gefangenschaft gegangen war. Sein Abschiedswort war:
Teure Gattin, es gibt eine Ewigkeit. Gott prüft, weil er uns liebt. Die schweren Leiden gehen vorüber. Für Standhaftigkeit und Treue hält Gott uns eine ewige Herrlichkeit aufbewahrt. Bleibe treu, komme, was da will.
O, diese Worte brannten ihr in der Seele. Er war als Märtyrer für seinen heiligen Glauben in den Tod gegangen. Ihre Verfolger hatten es freigestellt, der Religion zu entsagen oder nach Sibirien in das Elend zu wandern. Sie hatte aber kühn zur Antwort gegeben:
Nimmermehr werde ich meiner Religion entsagen. Ihr bleib ich treu bis in den Tod!“ Spottend hatte man ihr zur Antwort gegeben:
Nun ja, dann fahren wir morgen (dabei zeigten sie auf die lange Karre, woran eine aus Ochsensehnen gefertigte lange Peitsche hing) im Galawagen nach Sibirien.
Die Gräfin zog sich schweigend zurück, ihres Schicksals harrend. Die letzte Nacht im Gefängnis brach herein. Unruhig warf sie sich auf ihr hartes Lager, immer noch ihres teuren Gatten gedenkend in der ewigen Seligkeit. Recht innig betete sie noch um Kraft und Erleuchtung. Sie konnte keine Ruhe finden. Nach einer Stunde schlaflosen Sinnens wurde sie auf einmal von einer starken Sehnsucht nach ihren lieben Kindern erfasst. Die Sehnsucht wurde immer stärker: sie konnte derselben nicht widerstehen. Vor Sehnsucht glühend öffnete sie leise das Fenster und schaute in die schwarze, dunkle Nacht. Nach der Seite ihres Gefängnisses lag eine wilde, öde Gegend. Die Gefangene bedachte sich nicht lange. In fieberhafter Eile zerschnitt sie mit einem Messer ihre grobe Decke zu Riemen, befestigte den Riemen mit dem oberen Ende ans Fenster und kroch mühsam ins Freie und ließ sich dann an dem Riemen herunter. Der Versuch gelang. Unten angekommen, rief sie Gott und alle Heiligen um Beistand und Hilfe in den Gefahren auf ihrer Flucht an, ihr gefahrvolles Unternehmen wohl erwägend. Sie ging zitternd, doch auf Gott vertrauend, geradeaus in die wilde, öde Gegend hinein. Schuhe hatte sie keine; so bewickelte sie denn ihre Füße mit den Riemen der groben Wolldecke. Manchmal strauchelte sie in dem nächtlichen Dunkel, aber dann stand sie mutig wieder auf. Nach längerem Wandern in tiefer Dunkelheit stand sie vor einem Fluss. Des Schwimmens kundig, machte sie das Kreuzzeichen, sprang in den Fluss und schwamm durch das ziemlich breite Wasser an das jenseitige Ufer. Sie stieg ans Land. In nassem Kleide ganz erschöpft, schleppte sie sich weiter bis zu einem kleinen Hause, vor welchem sie kraftlos niedersank. Sie pochte an; es dämmerte schon der Morgen. Mitleidige Fischerleute öffneten ihr die Tür und hießen sie in die warme Stube eintreten. Nachdem sie ihr forschend ins Gesicht gesehen hatten, erkannten sie in der armen Frau ihre hohe Gönnerin wieder. Außer sich vor Freude wegen des hohen Besuches, aber auch voll Mitleid ihres Schicksals gedenkend, baten sie die Gräfin, mit ihrer Armut vorlieb zu nehmen. Die Gräfin sagte: „O, wie danke ich Gott, dass er mich zu euch, liebe Leute, geführt hat.“ Sie musste sich nun gleich zu Bett legen und eine Erfrischung nehmen. Dann kochten sie ihr warme Suppe und pflegten sie, so gut sie es vermochten. Die Gräfin sagte: „Gott lohne es euch hundertfach!“ Am Tage berieten die braven Leute, was nun zu tun sei. Die Gräfin wehrte die Bemühungen ab, aber die wackeren Leute sagten: „Wir lassen gern unser Leben für die gnädige Frau. Wir danken Gott, dass er Sie uns zugeführt hat, damit wir uns für die Wohltaten, die Sie uns erwiesen, erkenntlich zeigen können. Nehmen, Sie, gnädige Frau,“ sagte die Fischerin, „meine besten Kleider, die ich einmal selbst von Ihnen erhielt und reisen Sie darin glücklich; ich muss weinen,“ sagte sie weiter „wenn ich an Ihr hartes Los denke. Sie haben doch nur Gutes getan und leiden so schwer.
Gott will,“ sagte die Gräfin, „dass wir den Kelch der Leiden trinken, wir sollen ihm das Kreuz nachtragen.“ Die braven Leute weinten. „Ach,“ sagte die Frau, „nun diese schreckliche Reise, so weit, und Sie allein.“
Macht nichts,“ erwiderte die Gräfin, „wenn ich nur meine Kinder wiederfinde, meine Lieblinge.“ Nun brachte der Fischer seinen Rat vor; er sagte: „Ich fürchte, dass man Nachforschungen anstellen wird. Man wird Spione ausschicken und Sie, edle Gräfin, steckbrieflich verfolgen lassen. Sie müssen verkleidet gehen, am besten als Fischer. Dafür haben wir Kleider. Ich möchte auch noch raten, sich einen Bart anzulegen, eine Pfeife in den Mund zu nehmen, und zwar so lange, bis Sie auf friedlichem Boden stehen; dann können Sie, gnädige Frau, in meiner Frau Kleider weiter reisen.“ Die Gräfin stimmte zu. Die guten Leute aber wollten sie nicht ganz alleine ziehen lassen; sie gingen eine gute Wegstrecke mit. So gingen sie nun alle drei als Fischer unbehelligt weiter. Nach längerem Wandern standen sie auf österreichischem Boden in einem dichten Wald. Nachdem sie die mitgebrachte Stärkung zu sich genommen, kleidete sich die Gräfin um. Sie zog die Kleider der Fischerin an, schlang sich ein großes Tuch um den Kopf und nahm herzlichen Abschied von den braven Leuten, die noch gerne weiter mitgegangen wären. Die Gräfin drückte ihnen nochmals die Hand und sagte: „Gott wird euer Opfer um mich lohnen.“
Keine Opfer,“ sagten die Leute, „Dankespflicht für Ihre großen Opfer.“ So schieden sie endlich.
  
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Re: Opfer fuer den Glauben
Antwort #4 - 11.05.2019 um 08:24:14
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Die Gräfin zog nun allein durch Österreich, Süddeutschland nach Paris. So mancher Berg musste erstiegen werden, so manches Tal, so manches Gebirge hatte sie zu durchwandern. Bald wird der Hunger plagen, der Durst quälen, der Fuß blutet, doch Mutterliebe überwindet alle Beschwerden.

Mutterlieb kennt keine Schranken.
Sie ist stärker als der Tod.
Liebe lässt den Mut erstarken,
trotz Gefahren, Kampf und Not;
bis sie drückt im Liebesschmerz
froh ihr Kind ans Mutterherz.


Die an Überfluss gewöhnte Gräfin musste nun ihren Unterhalt erbetteln. An der einen Tür erbat sie einen Trunk, ihren Durst zu löschen, an der anderen den Rest einer Mahlzeit, um ihren Hunger zu stillen. Dankbar nahm sie die Stückchen Brot hin, die mitleidige Hände ihr reichten. Manche Nacht hat sie in einem Stall oder in einer Scheune zugebracht. Alle ihre Leiden und Beschwerden brachte sie Gott zum Opfer für ihre Kinder und ihr armes Vaterland. So zog sie bettelnd durch Österreich, Süddeutschland, und erreichte nach vielen Wochen die Provence, das gesegnete südöstliche Frankreich. Jetzt wuchs ihre Sehnsucht, die Sehnsucht gab ihr Kraft. Die Reise war nun leichter, doch brauchte sie noch einige Wochen, bis sie in Paris anlangte. Mit Gottes Gnade und seiner weisen Führung kam sie gerade am Vorabend des Kommuniontages an. Ihre Sehnsucht trieb sie gleich zum Konvikt. Man meldete dem Rektor eine arme Frau, welche den Schüler v. G. zu sprechen wünschte. Dem Rektor kam eine Ahnung. Gleich ging er zu ihr. Sie gab sich ihm zu erkennen, sagte auch in Kürze, auf welche Art und Weise sie gekommen, was der Rektor mit tiefer Bewegung und großem Interesse anhörte. Er erzählte ihr von ihrem Sohne, tröstete sie und ließ sie zu ihren Verwandten fahren, damit sie mit diesen am anderen Tage zur Feier käme. Ihr Mutterherz war beglückt, sie weinte vor Freude. Jedoch wie frohlockte sie erst, als sie am Festmorgen ihren Sohn, vom jüngeren Bruder begleitet, in der Reihe der Erstkommunikanten sah. Ihr Mutterherz hatte sofort ihre Söhne in der Schar entdeckt. Beim hochfeierlichen Amte und bei der Predigt vergoss sie reichliche Tränen. Sie vereinigte sich mit ihrem Sohne in der heiligen Kommunion. Nach der Feier versammelten sich die Knaben im festlich geschmückten Saal, der Rektor ging mit Kasimir und Arthur ins Sprechzimmer. Noch ahnten sie nichts, Als er aber die Tür öffnete, rief Kasimir: „Also hat Gott doch mein Gebet erhört.“
Und in den Armen lagen sich beide und weinten vor Schmerzen und Freude. War das ein Wiedersehen, wer kann es schildern! Wer fühlt wie das Mutterherz, an das sie ihre braven Kinder drückte. Was fühlten die zartfühlenden Kinder, da sie das Mutterherz wieder für sich schlagen fühlten?

Gott belohnte die Treue der Knaben, die Liebe der Mutter. Die Gräfin blieb noch längere Zeit in Paris bei ihren Verwandten. Sie erholte sich nur ganz langsam, weil ihre Gesundheit infolge der vielen Leiden sehr angegriffen war. Zu ihrer Freude studierten die Knaben mit großem Eifer und vollendeten mit Auszeichnung ihre Studien. Die Gräfin sah zu ihrer größten Freude, wie ihre beiden Söhne nach reiflicher Erwägung den geistlichen Stand erwählten und zu hohen Ehrenstellen gelangten. Die Gräfin aber zog sich in ein Kloster zurück, um dort einzig ihre Tage in stiller Zurückgezogenheit Gott zu weihen.
Sie schrieb ihrem Sohn ins Album und schilderte ihm das Wiedersehen am Kommuniontage in einem Gedicht:

Das war ein Wonnetag der höchsten Lust,
das Mutterherz erbebte in der Brust.
Wer könnte ahnen auch mein Mutterglück,
da auf dem Sohne ruht der Mutterblick.

Es war ein Tag, ihn hatte Gott gemacht!
Ein Morgenrot nach düsterer Leidensnacht.
Als ich durfte dich wiedersehen, teurer Sohn,
am Tage deiner ersten Kommunion.

Ich sah dich knien in frommer Knabenschar,
mein liebes Kind, voll Andacht am Altar.
Bald fühlte zittern ich mein Herz von Glück,
so oft auf dich nur fiel mein Mutterblick.

War von der Flucht ich auch recht matt und krank,
mein Herz floss über doch in lautem Dank,
und wie auch blutig, wegemüd mein Fuß,
ich fand an deiner Seite Hochgenuss.

In Liebe forderte ich Jesus auf,
sei Vater ihm in seinem Lebenslauf.
Sein Vater starb als Märtyrer der Religion,
so sei du Vater, Erbteil ihm und Lohn.

Ich fühlte es zu gut, der Mutter Flehn,
hat Gott mit Wohlgefallen angesehn.
So mög denn dieses Tages Morgenrot
Dir unvergesslich bleiben bis zum Tod.

Ja, dieser lautren Freude Sonnenschein,
er hafte immer in der Seele dein.
Und wenn der Knabe mit der Zeit ein Mann,
mög strahlen sie im schönsten Glanze dann.

Du musst nach höheren Idealen schauen,
wie es dein Vater wünscht in Himmelsauen.
Mein Herz, es hofft, du wirst der Ahnen wert,
durch Edelsinn, der deinen Namen ehrt.


Quelle: Illustrierte kleine Heiligen Legende für die Jugend, Butzon § Bercker G.m.b.H. 1920


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