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Normal Topic Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung (Gelesen: 145 mal)
Inka
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MARIA und JOSEF

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Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
05.11.2020 um 12:52:32
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Vorwort aus dem Büchlein zu den armen Seelen. zur Belehrung und Förderung der Andacht

Die Gemeinschaft unter den Gläubigen auf Erden und den abgeschiedenen Seelen im Fegfeuer ist ein wechselseitiger Liebesverkehr, der darin besteht, dass wir den abgeschiedenen Seelen, während sie im Stande der Läuterung sind, durch Gebete und gute Werke Trost und Hilfe in ihren Leiden bringen; dagegen diese heiligen Seelen die Liebe, die wir ihnen er weisen, mit dankbarster Gegenliebe erwidern, indem sie bei Gott für ihre Wohltäter bitten und denselben zeitlichen und geistlichen Segen vermitteln. Dieser Liebesverkehr gründet sich auf jene geistige Einheit, zu der alle Gläubigen der Kirche unter einander verbunden sind, gleich den Gliedern eines Leibes und wovon das Haupt Jesus Christus ist. Alle Gläubigen umschlingt ein und dasselbe Band der Liebe; mit dem Austritte aus diesem Leben treten die im Herrn Entschlafenen aus diesem Liebesbunde nicht aus, sie bleiben lebendige Glieder der Kirche, darum auch bleibt die geistige Gemeinschaft zwischen ihnen und den Gläubigen auf Erden und die Möglichkeit gegen seitiger Liebeserweise. Vorliegendes Büchlein handelt von der Liebe zu den armen Seelen; Liebe aber entspringt immer aus rechter Erkenntnis, darum muss es uns zuerst um die Erkenntnis des Fegfeuers und der Leidenszustände zu tun sein, in denen die abgeschiedenen Seelen während ihrer Läuterung sich befinden. Durch die Betrachtung dieser Leidenszustände wird gegen diese Seelen in unseren Herzen das Mitleid und die erbarmende Liebe angeregt, in der wir uns bestreben werden, ihre Leiden durch jene Mittel, die uns die heilige Kirche darbietet, zu lindern und sie aus denselben zu befreien. In dieser Abicht findet sich im ersten Abschnitte dieses Büchleins die Lehre vom Fegfeuer, und die Erwägung der Leidenszustände der in demselben befindlichen Seelen. Sind wir von wahrem Mitleid gegen diese armen Seelen erfüllt, dann müssen wir ihnen unsere Liebe auf jene Weise zuwenden, wie sie die heilige Kirche uns angibt. Die Kirche aber begegnet zuerst mit Ehrfurcht und Liebe den Leibern der Abgeschiedenen, indem sie dieselben anständig begräbt; trägt Mitleid mit den hinterlassenen Verwandten, denen der Tod eines ihrer teueren Glieder entrissen; betet für die Seelenruhe der Abgeschiedenen bei den Exequien und bringt für dieselben dem Allerhöchsten das Opfer der heiligen Messe dar. – Hierüber finden sich die Anweisungen und Gebete im zweiten Abschnitte, in welchem auch von den kirchlichen Ceremonien bei Begräbnissen gehandelt wird, und von Allem, was nach kirchlichem Gebrauche vom Hinscheiden an bis nach der Beerdigung zu geschehen pflegt.


Büchlein zu den armen Seelen. zur Belehrung und Förderung der Andacht von Anton Schöff Priester aus der Versammlung des heiligsten Erlösers erschienen 1876 im Verlag von Georg Joseph Manz
  

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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #1 - 08.11.2020 um 12:43:49
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Lehre vom Fegfeuer, und Zustand der in demselben befindlichen Seelen.

1 Teil Das Fegfeuer.


Mit dem Worte Fegfeuer bezeichnen wir einen Mittelzustand, einen von der Hölle und dem Himmel verschiedenen Ort, wo die Seelen der verstorbenen Christgläubigen durch zeitliche Strafen von Sünden gereiniget werden, die sie im Leben nicht abgebüßt haben. Die Lehre von einem Zustande. wo nach dem Tode gewisse Sünden durch zeitliche Strafen abgebüßt werden können, ist ein Glaubenssatz, der mit anderen Glaubensartikeln unserer heiligen Religion in unzertrennlicher Verbindung steht. – Jene Seelen, die in Todsünden getrennt von Christo aus diesem Leben scheiden, sind jenseits rettungslos verloren; dagegen gelangen diejenigen, welche im Stande der Gnade sterben, zur ewigen Seligkeit. Allein es kann auch geschehen, dass diese gerechten Seelen noch Unvollkommenheiten und lässliche Sünden an sich haben, oder dass sie der göttlichen Gerechtigkeit für begangene schwere Sünden, wenn gleich deren Schuld durch das heilige Sakrament  der Buße getilgt wurde, noch nicht vollkommen genug getan haben. Diese Fehler und Mängel aber verschließen der Seele so lange den Eintritt in die Wohnungen der Heiligen, so lange sie nicht getilgt sind, und so lange der göttlichen Gerechtigkeit nicht vollkommen genuggetan ist. Man muss vollkommen rein sein, um vor Demjenigen erscheinen zu können, Der die Heiligkeit selbst ist: „Unreines kann in den Himmel nicht eingehen.“ (Offenb. 21.) Solchen Seelen bleibt das Fegfeuer aufbehalten, worin ſie so lange leiden müssen, bis sie von ihren Sünden vollkommen gereiniget sind. Wenn Christus, der Herr, in jener Parabel von dem ungetreuen und undankbaren Knechte, den sein Gebieter in den Kerker schickte und den Schergen übergab, bis er die ganze Schuld bezahlt hätte, die Worte beifügt: „Wahrlich sage ich dir, du wirst von hier nicht herausgehen, bis du den letzten Heller bezahlt hast;“ so kann hier von keinem irdischen Kerker die Rede sein. Denn wenn alle Arten von Fehlern, Versäumnissen, Falschheiten, lieblosen oder leichtfertigen Werken und Reden mit dem Kerker bestraft werden sollten, wo würde da der Raum sich finden? Und wer sollte über strafbare Gedanken und Absichten Gericht halten? Auch jener ewige Kerker kann damit nicht gemeint sein, aus welchem kein Ausgang sich öffnet, weil dort keine Bezahlung oder Lösung der Schuld mehr statthat. In jener Parabel ist demnach der Reinigungsort angedeutet, in welchem die Gefangenen die Aussicht auf dereinstige Befreiung haben. Dass es Unvollkommenheiten und lässliche Sünden gibt, die, wenn sie in dieser Welt nicht getilgt werden, in der andern durch zeitliche Strafen abgebüßt werden müssen, ist an mehreren Stellen der heiligen Schrift angedeutet. Lässliche Sünden tilgen in der Seele die Gnade Gottes nicht, denn von ihnen sind auch die Gerechten gewöhnlich nicht frei: „In vielen Dingen,“ sagt der Apostel Jakobus, „fehlen wir Alle.“ (3,2) „Siebenmal fällt auch der Gerechte.“ (Sprichw. 24, 16.) Würden diese geringen Fehler, von denen hier die Rede ist, und in die man so leichtfallen kann, in der Seele der Gerechten die Gnade vernichten, so würden diese aufhören, gerecht zu sein.


Büchlein zu den armen Seelen. zur Belehrung und Förderung der Andacht von Anton Schöff Priester aus der Versammlung des heiligsten Erlösers erschienen 1876 im Verlag von Georg Joseph Manz
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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #2 - 09.11.2020 um 12:54:11
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2 Teil das Fegefeuer

Wer aber darf sich für so rein und vollkommen halten, dass er bei seinem Hinscheiden sagen kann: Mein Herz ist. von allen Fehlern und Flecken ganz frei? Wer fühlt in sich keinen unordentlichen Hang zu irgendeinem Erden gut? Wessen Werke sind nicht zuweilen von Lauheit, Nachlässigkeit oder andern Unvollkommenheiten begleitet? Wer wacht stets mit aller Strenge über Neigungen, Gedanken, Worte und Werke? Wer hält sich für so vollkommen, dass er nach dem Tode keiner Reinigung mehr bedürfe und nichts mehr zu sühnen habe? Wie Viele, die Jahre lang in aller Gottlosigkeit gelebt haben, erlangen nicht in den letzten Stunden ihres Lebens die Gnade der Buße und Barmherzigkeit? Werden aber solche Seelen nicht der Reinigung und Läuterung bedürfen, um von allen dem gereiniget zu werden, was noch von den Überbleibseln der Sünden und eingewurzelten bösen Gewohnheiten im Innersten der Seele übrig ist., und in so kurzer Zeit nicht hat ausgerissen, und vom Grunde aus entwurzelt werden können? „Herr,“ rief der heilige David, „ziehe mich, Deinen Knecht, nicht zur strengsten Rechenschaft; denn vor Dir wird kein Sterblicher ohne Schuld befunden.“ (Ps. 142.) Nun kann aber keine Seele, die mit irgend einer Makel befleckt, oder mit der mindesten Schuld beladen diese Welt verlässt, in das Reich der Heiligkeit eingehen, bis sie nicht vollkommen gereiniget und geheiliget ist; mit den ewigen Qualen der Hölle können aber solche Fehler und Sündenmakel, welche die heiligmachende Gnade Gottes nicht zerstören, auch nicht bestraft werden, folglich muss man hier aus schließen, dass es nach dem Tode einen Zustand gebe, wo lässliche Sünden und Unvollkommenheiten abgebüßt werden können. Dies geben auch, nach der Bemerkung des heiligen Augustinus, die Worte des Heilandes zu verstehen: „Die Sünde wider den heiligen Geist wird weder in dieser, noch in der andern Welt nachgelassen werden.“ (Matth. 12.) Es muss also Sünden geben, welche in der andern Welt noch verziehen werden. Ferner schreibt der heilige Apostel Paulus an die Korinther, dass ein Feuer es erproben werde, wie das Werk eines Jeden beschaffen ist. Wessen Werk die Prüfung bestehen wird, der wird belohnet werden; wer aber auf dem Grunde, der da ist Christus, ein Gebäude von Holz, Heu und Stoppeln aufführen wird, oder wessen unvollkommene und mangelhafte Werke die Feuerprobe nicht bestehen können, der wird Schaden leiden, er selbst wird zwar gerettet werden, jedoch so wie durch Feuer. (1. Kor.3.) Ein solcher Mensch, der mit befleckten Werken vor dem göttlichen Richter erscheint, wird zwar, nachdem er von allen Unvollkommenheiten gereiniget worden ist, die ewige Seligkeit im Himmel, in welchen nichts Beflecktes eingehen kann, erlangen; doch nur durch eine Reinigung, die der Reinigung durch Feuer ähnlich ist. Dieses Feuer, wovon der Apostel hier spricht, kann nicht das Feuer der Trübsale auf der Welt sein, denn er redet von einem Feuer, das am Gerichtstage, also nach dieser Zeit des Lebens brennt; es kann auch nicht die bloße Prüfung des Richters darunter verstanden werden, denn es prüfet nicht nur, sondern macht auch brennen, so dass der Brennende leidet; es kann aber auch nicht das Feuer der Hölle sein, denn der in jenem Feuer Brennende wird gerettet, wird selig, aus dem Feuer der Hölle aber gibt es keine Rettung, keine Erlösung mehr. Der heilige Apostel kann also hier einzig und allein nur von dem Feuer im Reinigungsorte, oder von dem Fegfeuer reden, durch welches nach dem Hinscheiden die gerechten, aber nicht ganz reinen Seelen geläutert werden müssen. – Wie lange aber eine solche Seele im Fegfeuer leiden müsse, das weiß nur Gott, der für eine Seele nach dem Maße ihrer Schuld auch die Strafen zu bestimmen weiß. Wir dürfen sicher annehmen, dass es den armen Seelen im Fegfeuer ebenso gehe, wie jenem Schuldner im Evangelium, der mit seinem Gläubiger nicht in der Zeit Richtigkeit gemacht hat; von diesem sagt Jesus Christus: „Wahrlich sage ich dir, du wirst von hier nicht herauskommen, bis du den letzten Heller bezahlt hast.“ (Matth. 5, 26.). Bei dem letzten, allgemeinen Weltgerichte geschieht vom Fegfeuer keine Erwähnung mehr, weil alsdann kein Läuterungsort mehr bestehen wird, sondern nur Himmel und Hölle.


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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #3 - 11.11.2020 um 10:38:57
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Immerwährender Glaube der christlichen Kirche an das Fegfeuer.

Die heilige Kirche Gottes umfasst im weiteren Sinne nicht bloß diejenigen Gläubigen, die auf dieser Erde in vielfachem Streit und Kampfe leben; zu ihr gehören auch die Heiligen im Himmel und die leidenden Seelen im Fegfeuer. Sie alle sind Glieder einer und derselben Kirche und stehen unter einander in einer heiligen Gemeinschaft, vereint durch das Band der Liebe in Jesus Christus. Es besteht unter ihnen eine Gemeinschaft der geistlichen Güter und ein wechselseitiger Verkehr, so dass wir Teil nehmen können an den Mühseligkeiten und Trübsalen, wie auch an dem Glücke und den Tröstungen Aller. Wir stehen im Verkehr mit den Heiligen des Himmels, indem wir Gott in ihren Siegen und Verherrlichungen loben und preisen, sie um ihre Fürbitte anrufen und von ihnen Hilfe und Beistand erlangen; ebenso stehen wir auch im Verkehr mit den Seelen im Fegfeuer, indem wir durch unsere Gebete und Opfer Gottes Barmherzigkeit auf sie herabziehen. Diejenigen unter den Verstorbenen, die hienieden als Glieder der Kirche in die Lebensgemeinschaft mit Christo aufgenommen waren, und in dieser Lebensgemeinschaft auch aus dieser Welt geschieden sind, wurden also durch den zeitlichen Tod aus diesem großen Liebesbunde der Kirche nicht ausgeschieden. Jedoch kann der Zustand, in welchem sie sich befanden, als der Tod von hier sie hinweg nahm, häufig genug von der Art gewesen sein, das sie unseres Mitleids, unserer Hilfe in eben dem Maße bedürfen, wie auf Erden die Dürftigen an die Wohltätigkeit der Reichen, die Kranken und Schwachen an den Beistand der Kräftigen angewiesen sind. Weil aber wegen der lebendigen Einheit, in der alle Glieder der Kirche in Christo als ihrem Haupte unter einander verbunden sind, ein wechselseitiger Verkehr unter denselben stattfindet, so sind wir im Stande, jenen Abgeschiedenen, die noch unserer Hilfe bedürfen, dieselbe auch zuzuwenden. Die heilige Kirche hat auch zu allen Zeiten den Verstorbenen ihre Hilfe zugewendet und für dieselben gebetet und geopfert. Schon im alten Bunde finden wir Beweise für die Überzeugung, dass die Lebenden den Verstorbenen geistliche Hilfe gewähren können. In dem Tempel zu Jerusalem wurden für die Verstorbenen Sühnopfer entrichtet, und das vereinigte Gebet des Priesters und des Volkes flehte zu Gott um deren Erlösung und Seligkeit. Judas, der Machabäer, schickte zwölftausend Drachmen Silbers nach Jerusalem, damit die Priester für die in der Schlacht Gefallenen opfern möchten. Der gottesfürchtige Held zeigte dadurch, wie fest er an die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes glaubte. Für die Gefallenen wurde gebetet und geopfert, damit sie von ihren Sünden und folglich von ihren Qualen erlediget würden. „Es ist also ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöset werden.“ (2. Machab.12.) Die Beweiskraft dieser Stelle der heiligen Schrift müssen  auch Ungläubige anerkennen, wenn sie nur den Verfasser des zweiten Buches der Machabäer als einen glaubwürdigen Geschichtsschreiber gelten lassen; sie können nicht umhin, aus dieser Erzählung den Glauben des Hohenpriesters, so wie den Glauben der im Dienste des Tempels stehenden Priester, und den der gesamten jüdischen Nation anzuerkennen. Es war also im alten Bunde eine allgemeine Religionsübung, für die Verstorbenen zu beten und zu opfern.


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Antwort #4 - 13.11.2020 um 13:05:00
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Immerwährender Glaube der christlichen Kirche an das Fegfeuer. Teil 2

Was ferner eine besondere Erwägung verdient, ist, dass Jesus Christus, der alle falschen Lehren missbilligte, der die falschen Überlieferungen der Schriftgelehrten und Pharisäer verdammte, ihre Irrtümer in Betreff der Toten und der Auferstehung bekämpfte, nicht ein Wort gegen diesen allgemeinen Glauben und diese öffentliche Gewohnheit sagte, sondern alles, was in dieser Beziehung im alten Bunde üblich war, bestehen ließ. Dieses hätte der Sohn Gottes, der gekommen ist, uns den Willen des Vaters kund zu machen, nicht zulassen können, wenn dieser Gebrauch nicht fromm, gerecht und heilig gewesen wäre. Im Gesetze der Gnade ist nichts geändert worden, als dass uns Jesus Christus ein heiligeres und kräftigeres Opfer, das heilige Messopfer, gegeben hat, welches, wenn es für die Abgestorbenen dargebracht wird, ihre Erlösung weit sicherer und weit schneller bewirket. Seit dem Beginne des Christentums hat man allzeit an das Dasein des Fegfeuers geglaubt, und für die verstorbenen Gläubigen gebetet, das heilige Messopfer verrichtet, Almosen gegeben, damit auf diese Weise die abgeschiedenen Seelen durch die Barmherzigkeit Gottes Linderung in ihren Peinen oder die Erlösung aus denselben erlangten. Der heilige Cyrillus von Jerusalem, der diese Glaubenslehre auslegt, sagt: „Wir beten für Alle, die aus unserer Gemeinde gestorben sind, und wir glauben, dass wir durch das Gebet, so wir unter dem heiligen und ehr furchtswürdigen Opfer des Altars verrichten, den Verstorbenen große Hilfe leisten. Wir stehen um den Thron Gottes, wir beten für die Abgestorbenen und opfern für sie Jesum Chriſtum Selbst, Der für unsere Sünden geschlachtet wurde, damit Gott, Der so gütig ist, ihnen gnädig und barmherzig sei.“ Die ältesten Kirchenväter drücken sich über diese Lehre ganz bestimmt und deutlich aus. So versichert Clemens von Alexandrien, dass die Menschen die geringen Fehler durch Strafen nach dem Tode abbüßen müssen, ehe sie in den Himmel eingehen können. Tertullian sagt, dass der Witwer für seine verstorbene Ehefrau, und die Witwe für ihren verstorbenen Ehemann das heilige Opfer durch den Priester jährlich an dem Tage ihres Hinscheidens verrichten ließen. Der heilige Chrysostomus sagt: „Es ist nicht unnütz, dass wir bei der Feier der heiligen Geheimnisse der Toten eingedenk sind, und dass wir für sie zu dem Lamme beten, welches die Sünden der Welt getilgt hat, damit sie dadurch Linderung erhalten mögen. Wer am Altare steht, ruft nicht vergeblich: Lasset uns beten für die im Herrn Entschlafenen. Unterlassen wir nicht, den Verstorbenen beizustehen; das Opfer wird für die allgemeine Sühnung dargebracht.“ Dieser Heilige versichert, dass es von den Aposteln sei verordnet worden, unter dem heiligen Messopfer der Verstorbenen eingedenk zu sein, die im Glauben und in der Gnade aus diesem Leben geschieden sind.


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Antwort #5 - 17.11.2020 um 13:01:32
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Immerwährender Glaube der christlichen Kirche an das Fegfeuer. Teil 3

Der heilige Augustinus sagt: „Das Opfer wird für die Heiligen zur Danksagung dargebracht, und für jene, die noch Fehler abzubüßen haben, zur Sühnung.“ Nach diesem Heiligen Vater ist ein prachtvolles Leichenbegräbnis nur zum Troste der Lebenden, und nichts als Gebet, Opfer und Almosen können den Verstorbenen nützlich sein. Hievon nimmt er aber die Märtyrer aus, für deren Seelenruhe man nicht betet, sondern deren Gebete man sich empfehlen muss. In diesem Glauben an das Fegfeuer haben sich die Gläubigen bei ihrem Hinscheiden mit zartester Sorgfalt dem Gebete der sie überlebenden Christen empfohlen. Wem ist unbekannt, mit welcher Sorgfalt die heilige Monika ihren Sohn, den heiligen Augustinus, in ihrer letzten Stunde gebeten, er möchte ihrer nach dem Tode am Altare eingedenk sein? Der heilige Ephraim beschwört in seinem Testamente seine Schüler und Freunde, ihn nach dem Tode ja nicht zu vergessen, sondern ihm Beweise ihrer fortdauernden Liebe dadurch zu geben, dass sie für seine Seelenruhe Almosen spendeten, Gebete und Opfer verrichteten, besonders am dreißigsten Tage nach seinem Hinscheiden. Der heilige Ambrosius schreibt an Faustinus, der sich allzu sehr über den Tod seiner Schwester betrübte: „Deine Schwester begehrt von dir keine Tränen, sondern Gebete.“ Und in seiner Trauerrede auf den Kaiser Theodosius errichtete er folgendes Gebet: „Gib, o Herr, Deinem Diener eine vollkommene Ruhe, jene Ruhe, die Du den Heiligen bereitet hast. Ich liebte diesen Fürsten, und deswegen folge ich ihm bis ins Land der Lebendigen. Ich werde von meinen Tränen und Bitten nicht eher nachlassen, als bis ich ihn einführe auf den heiligen Berg des Herrn, wohin ihn seine Verdienste rufen.“ So redeten, predigten und schrieben die Väter der ersten christlichen Zeiten. Und will man auch die ältesten Denkmäler unter suchen, so wird man allezeit finden, dass der Priester am Altare die heiligen Gaben für die Lebendigen und für die Abgestorbenen aufopferte, und dass nach der Wandlung die Namen der Verstorbenen abgelesen wurden, welche an dem heiligen Opfer Teil haben sollten; man wird finden, dass es in den Kirchenversammlungen für die größte Strafe angesehen war, wenn man erklärte, dass Jemand nach seinem Tode des Gebetes und des Opfers sollte beraubt sein. Auf solchen unumstößlichen Gründen steht der Ausspruch des heiligen Kirchenrates von Trient, welcher erklärt: „dass ein Feuer der Reinigung sei, und dass die Seelen, welche daselbst von der Gerechtigkeit Gottes aufbehalten werden, durch das Gebet der Gläubigen, besonders aber durch das Allerheiligste Opfer viel Hilfe einfangen.“ (Trid. sess. 25.) Die Gebete und Opfer für die Verstorbenen wurden in früheren Zeiten dreißig bis vierzig Tage lang fortgesetzt, und am Jahrestage des Absterbens wurden sie wieder erneuert. Der dritte, siebente und dreißigste Tag des Absterbens waren immer die feierlichsten; an diesen Tagen wurde der Seelengottesdienst feierlich abgehalten; man teilte während dieser Zeit Almosen für die Seelenruhe des Verstorbenen aus, und diejenigen, welche Almosen empfingen, beteten auf dem Grabe des Verstorbenen. Bei dem heiligen Gregorius liest man, dass er für einen Mönch, namens Justus, dreißig Messen zu feiern befahl, dass am dreißigsten Tage nach der letzten Messe der Mönch dem Copiosus, seinem Obern, erschienen, und ihm gesagt habe: „Ich litt Qualen, und siehe, nun bin ich befreit.“ (Dial. 1.4.) In der Folge wurde ein besonderer Tag dem Gedächtnisse aller verstorbenen Christgläubigen gewidmet, nämlich der Aller-Seelentag, an welchem Tage für alle im Herrn Entschlafenen feierlich das heilige Messopfer dargebracht und das Officium gebetet wird. Gewöhnlich wird dieser Tag nur unter die halben Feiertage gezählt.


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Antwort #6 - 19.11.2020 um 09:46:03
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Beweggründe, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe zu kommen.

Wenn wir erwägen, wer jene Seelen sind, welche in dem Fegfeuer leiden, so sollte diese Betrachtung allein schon unsern Eifer entflammen, ihnen durch Gebet, Opfer und andere gute Werke zu Hilfe zu eilen. Die im Reinigungsorte leiden den Seelen gehören dem göttlichen Heilande an, wie wir; sie sind mit uns vereinigt durch das Band der Liebe und der Gemeinschaft der Heiligen; sie sind unsere Brüder und Schwestern in Christus, die wir wie uns selbst lieben sollen. Welche Lieblosigkeit wäre es nicht, den Bruder in den Flammen zu sehen, ohne ihm die Hand zur Rettung zu reichen, ohne ihm alle nur mögliche Hilfe zu verschaffen! – Unter allen Opfern, die wir Gott darbringen können, gefallen Ihm keine mehr, und gereichen Ihm keine zu größerer Ehre, als die Opfer der Barmherzigkeit und Liebe, besonders wenn sie sich auf diejenigen Seelen beziehen, welche der Herr liebt. Die Seelen im Fegfeuer sind Erben des Himmels, der Besitz desselben ist ihnen gewiss, Gott hat sie im Leben mit Seinen Gnaden überhäuft, Er liebt sie zärtlich und trägt das innigste Verlangen, dass sie, vereiniget mit Ihm, die Reichtümer unendlicher Wonne und Herrlichkeit genießen. Allein weil Gott ebenso gerecht als barmherzig ist, so müssen sie an dem Orte ihrer Verbannung und Qual so lange harren, bis alle ihre Schulden bezahlt sind. Und so lange noch die mindeste Makel an ihnen haftet, können sie dem unendlich Heiligen nicht nahen. In Seiner Barmherzigkeit aber lässt Gott diesen Seelen die Gebete und guten Werke, die wir für sie entrichten, zur Sühnung gereichen. Es ist also ein Gott überaus wohlgefälliges Werk der Barmherzigkeit, wenn wir die armen Seelen im Fegfeuer durch unsere Gebete unterstützen, und das von ihnen Versäumte durch Werke der Genugtuung ersetzen. Zur heiligen Gertrud sprach einst Christus der Herr: „Wenn Jemand eine Seele aus den Leiden des Fegfeuers erlöset, so erweiset er Mir eine solche Liebe, als hätte er Mich vom Kreuze er löset.“ (lib. 3. c. 39.) Dieses können wir auch aus den Worten abnehmen, die Jesus Christus am jüngsten Tage zu den Barmherzigen sprechen wird: „Was ihr einem aus Meinen Geringsten getan habt, das habt ihr Mir getan.“ Diese Seelen gehören zur Zahl der Aus erwählten Gottes. Sie sind mit Gott durch die Gnade vereiniget und lieben Ihn über Alles. Mitten in ihren Pein en loben und preisen sie Seine Gerechtigkeit, und leiden die Strenge ihrer Strafen mit Geduld und heiligster Ergebung. Sie haben bereits die Welt und die Hölle überwunden, sie sind Kinder Gottes, geschmückt mit Verdiensten und Gnaden; sie sind Heilige. Deshalb müssen wir gegen sie stets eine große Verehrung tragen. Allein sie sind noch in einem Zustande bitterer Leiden, noch getrennt von der beseligenden Anschauung Gottes, und diese Trennung ist aus allen ihren Peinen die qualvollste. Jetzt können wir es noch nicht begreifen, welche Leiden eine Seele empfindet, die von Gott, dem einzigen Gegenstande ihrer Liebe, getrennt ist; wir haben Gott noch nicht gesehen, wie Er ist; aber in dem Augenblicke, als die Seele vom Leibe scheidet, erkennt sie Gott in Seiner ganzen Liebenswürdigkeit, sie fühlt sich zu Ihm, als dem einzigen Ziele ihrer Wünsche, dem einzigen Gegenstande ihrer Liebe, mit einer Sehnsucht hingezogen, die über alle Begriffe geht; allein diese ihre Sehnsucht kann noch nicht befriediget werden, ihre Liebe muss erst geläutert werden, bis sie vollkommen rein und heilig, zur Vereinigung mit Gott gelangen kann. Und diese Qual der Sehnsucht einer Seele auch nur um einige Augenblicke verkürzen, ist für sie schon eine unaussprechliche Wohltat.


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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #7 - 20.11.2020 um 12:07:17
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Beweggründe, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe zu kommen.
Teil 2

Das Feuer im Reinigungsorte, durch welches die daselbst befindlichen Seelen zugleich gestraft und gereiniget werden, ist nach der Lehre der Kirchenväter von dem Feuer in der Hölle nicht verschieden. „Dasselbe Feuer,“ sagt der heilige Thomas von Aquin, „quält die Verdammten in der Hölle und die Gerechten im Fegfeuer; die geringste Pein des Fegfeuers übersteigt die größten Peinen, die man sich in diesem Leben denken kann.“ Dieses Feuer wird nach den Worten des heiligen Augustinus unerträglicher sein, als Alles, was man in diesem Leben erdulden kann; zwischen den Qualen des Fegfeuers und jenen, welche die heil. Märtyrer um Christi willen ausgestanden, ist nach diesem heiligen Kirchenlehrer gar kein Vergleich. Es wird also eine Seele, die mit einer lässlichen Sünde aus dieser Welt scheidet, mehr Leiden zu erdulden haben, als ihr jemals die schmerzlichsten Krankheiten verursachen konnten, ihr sind härtere Peinen bestimmt, als die größten Übeltäter auf Erden zu ertragen haben. Und in diesen Qualen müssen manche Seelen Jahre lang, manche vielleicht bis ans Ende der Welt verharren; und am Ende der Welt, wo der Reinigungsort aufhört, kann Gott die Strafen so vermehren, dass die Schuldigen in einem Augenblicke von ihren Sündenmakeln gereiniget werden. Gottes Gerechtigkeit ist unwandelbar streng, und schrecklich ist es, mit Schuld beladen in die Hände Seiner Gerechtigkeit zu fallen. Was aber unser Mitleid gegen diese armen Seelen am meisten anregen muss, ist der Umstand, dass sie sich in ihren Leiden selbst nimmermehr helfen können; sie können dieselben weder lindern noch abkürzen. Es war wohl ehemals eine Zeit der Gnade für sie, wie wir sie jetzt haben; so lange sie noch in ihren Leibern wandelten, hatten sie die Verdienste Jesu Christi, die sie sich selbst zur Tilgung ihrer Sünden aneignen konnten. Nachdem aber einmal jener entscheidende Augenblick, der die Seele vom Leibe trennt, vorüber war, dann war für sie auch die Gnadenzeit vorüber. „Der Engelschwur bei dem, Der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt, dass fürderhin keine Zeit mehr sein wird.“ Die Seelen im Fegfeuer haben keine Zeit mehr, für ihre Sünden freiwillige Buswerke auszuüben, sich Verdienste zu sammeln, oder ihre Glückseligkeit zu beschleunigen; die Zeit, die sie haben, ist nur eine Zeit unaussprechlicher Leiden. Und in diesen Leiden sind sie bei den Sterblichen auf Erden größtenteils in Vergessenheit geraten, nicht selten sogar bei jenen, mit welchen sie ehemals durch die Bande der Freundschaft und Verwandtschaft verknüpft waren. Die jetzt im Besitze der Güter sind, welche die Hingeschiedenen im Schweiße ihres Angesichtes erworben, sind gewöhnlich guter Dinge, während die Toten in tiefe Trauer versenkt sind; haben diese auch sterbend noch mit Tränen gebeten, man möge ihrer nach dem Tode ja nicht vergessen; mit ihrem Leichname ward auch das Andenken an sie in das Grab versenkt. Welch eine Verlassenheit! – Hier auf Erden können Arme, Kranke, Leidende, und jeder Art Hilfsbedürftige selbst bei ihren Mitmenschen Hilfe suchen, das Mitleid durch Worte in Anspruch nehmen, ja der Anblick der Leiden und des Elendes weckt schon an sich zur Teilnahme. Allein nicht sosehr hält es sich mit den armen Seelen; abgesehen davon, dass nur wenigen von Gott die Erlaubnis zu Teil wird, selbst bei den Lebenden Hülfe zu suchen, sind sie von uns so weit entfernt und so tief begraben, dass sie uns ihre Leiden weder zeigen noch auch klagen oder schildern können; sie haben für sich keine andern Mittel als die Geduld, die Ergebung und Hoffnung. Mögen sie auch noch so sehr seufzen und sich nach Erlösung sehnen, Gott erwidert ihnen nichts anderes, als dass Seiner Gerechtigkeit genug getan werden müsse. Sie nehmen also ihre Zuflucht zu uns, und da sie sich durch keine Worte an uns wenden können, so flehen sie um unsere Hilfe durch die heilige Kirche und deren Diener, die uns ihre Leiden, ihre Dürftigkeit und Verlassenheit vor Augen stellen, um uns zum Mitleid gegen sie zu bewegen. Die heilige Kirche vergleicht die Leiden dieser Seelen mit jenen des frommen Dulders Job, der in seinem Elende und in seiner Verlassenheit an seine Freunde sich wandte mit der vom Schmerz ausgepressten Bitte: „Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, wenigstens ihr meine Freunde!“


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Antwort #8 - 21.11.2020 um 15:11:03
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Beweggründe, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe zu kommen.
Teil 3


Der fromme und gelehrte Gerson lässt sie auf folgende Weise sprechen: „Betet für uns, weil wir uns selbst nicht helfen können. Diesen Beistand dürfen wir von euch erwarten, versaget ihn uns nicht. Ihr, die ihr uns auf Erden gekannt und geliebt habet, könntet ihr jetzt unser vergessen? Man sagt, dass man den Freund in der Trübsal erkenne; welche Trübsal ist aber mit der unsrigen zu vergleichen? Habet also Mitleid mit uns, denn einem harten Herzen wird es am Ende übel ergehen. Seid gegen eueren eigenen Vorteil nicht gleichgiltig.“ – „Worin Jemand sündiget,“ heißt es in der heiligen Schrift, „darin wird er auch gestraft werden.“ Wenn wir jetzt um die Leiden der armen Seelen uns nicht kümmern, und ihnen aus Nachlässigkeit keine Hilfe angedeihen lassen, müssen wir nicht mit Recht befürchten, dass auch einstens, wenn wir an diesen Ort der Qualen verbannt sind, uns mit Gleichem vergolten werde? – Kein wahrer Katholik, sei es, dass er dem hochheiligen Messopfer beiwohne oder sonst seine Gebete verrichte, sollte jemals das Gebet beschließen, ohne der Abgestorbenen zu gedenken, und für sie die Erbarmungen Gottes anzuflehen; denn es ist nicht bloß ein heilsamer und frommer Gebrauch, für die Verstorbenen zu beten, es ist noch weit mehr, es ist eine von der Liebe gebotene und daher heilige Pflicht. Und wem sollte die Ausübung einer so süßen Liebespflicht beschwerlich fallen? Der heilige Bernardus, der zu diesen Seelen die zärtlichste Liebe trug, ermuntert sich selbst in einer seiner Reden zur Ausübung dieser Liebespflicht in folgender Weise: „Wohlan, ich will mich aufmachen, ihnen zu helfen; ich will vor dem Herrn wehklagen und mit Seufzen in Ihn dringen; ich will ihnen mit meinem Gebete zu Hilfe kommen; ich will zu ihrem Troste das heilige Messopfer entrichten, auf dass der Herr sie Seines gnädigen Blickes würdige, und ihre Mühsale in Ruhe, ihr Elend in Glorie, und ihre Marter in die ewige Krone verwandle.“ Zu ähnlicher Gesinnung und Tat sollen auch wir uns ermuntern, besonders wenn wir bedenken, dass diese Seelen, wenn auch körperlich von uns getrennt, dennoch geistiger Weise durch die Bande der Liebe mit uns auf das Engte verbunden sind, und daher auf unsere Hilfeleistung gerechten Anspruch haben. „Die Liebe,“ sagt der heilige Thomas von Aquin, „erlischt niemals, und sie soll sich nicht nur auf die Leben den, sondern auch auf die Verstorbenen erstrecken.“ Würde sich vor unsern Augen das Fegfeuer auftun, in welchem die leidenden Seelen so sehnsuchtsvoll ihrer Vereinigung mit Gott entgegen harren, könnten wir ihre Qualen sehen: welchen Eindruck würde dieser Anblick auf uns machen, welche Tränen würden wir vergießen, von welchem Schrecken würden wir ergriffen werden, wenn wir jene unzählbaren Diener Gottes erblickten, die unsere Brüder in Christo sind, und die so unaussprechliche Leiden erdulden! Und vielleicht sind unter ihnen auch unsere Verwandten, Freunde, Eltern; denn wer darf und kann sich eine solche Reinheit beimessen, dass er nach dem Tode keiner Läuterung mehr bedürfte?


Büchlein zu den armen Seelen. zur Belehrung und Förderung der Andacht von Anton Schöff Priester aus der Versammlung des heiligsten Erlösers erschienen 1876 im Verlag von Georg Joseph Manz
  

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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #9 - 23.11.2020 um 13:09:48
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Beweggründe, den armen Seelen im Fegfeuer zu Hilfe zu kommen.
Teil 4


Gottes Gerichte sind unerforschlich; der heilige Petrus sagt, „dass der Gerechte kaum Rettung finden werde.“ Es muss uns freuen, wenn unsere Angehörigen in der Gnade und Gerechtigkeit sterben, und wir von der göttlichen Barmherzigkeit hoffen dürfen, dass sie zur ewigen Seligkeit aufgenommen werden; allein wir sind nicht versichert, dass sie schon vollkommen von allen Überbleibseln der Sünde gereiniget sind, und diese Ungewissheit muss uns bewegen, dass wir sie mit allem Eifer der göttlichen Barmherzigkeit empfehlen, besonders wenn wir denken müssen, dass vielleicht unsere Eltern, Geschwister, Wohltäter oder andere Seelen um unsertwillen im Fegfeuer leiden, wegen der Sünden, wozu wir ihnen Anlass gegeben. In diesem Falle wäre es aber nicht bloß eine Pflicht der Liebe, ihnen zu Hilfe zu kommen, sondern auch eine Pflicht der Gerechtigkeit. Endlich muss der eigene Vorteil uns an regen, den armen Seelen im Fegfeuer durch tätige Liebe beizustehen; denn die Liebeswerke, die wir für ihre Seelenruhe verrichten, gereichen uns selbst zum größten Nutzen. Wenn ein jedes Werk der Liebe, das wir Armen und Notleidenden auf Erden erweisen, obgleich dieselben lasterhaft wären; wenn das geringste Almosen so reichlich vergolten wird: was wird Christus der Herr für uns tun, wenn wir seinen Freunden, seinen erlösten aber noch in Leiden schmachtenden Kindern durch unsere Liebes werke beistehen? Die Werke der Barmherzigkeit ziehen auf die, welche sie üben, die reichlichsten Gnaden herab: „Die Barmherzigen werden Barmherzigkeit erlangen.“ (Matth. 5.) Und dürfen wir wohl denken, da wir von jenen Seelen keine Vergeltung zu hoffen haben, deren Leiden durch unser Verwenden gemildert und abgekürzt werden? Hier auf Erden muss man freilich für erwiesene Wohl taten nicht selten nur Undank erfahren, allein dieses kann nimmer der Fall bei jenen gottliebenden und heiligen Seelen sein; denn der Undank ist Sünde, sündigen aber können die armen Seelen nicht mehr. „Erweise Wohltaten dem Gerechten, und du wirst eine große Vergeltung finden.“ (Eccl. 12.) So vielen Seelen wir Linderung in ihren Peinen oder gänzliche Befreiung aus denselben vermitteln, so viele Fürsprecher haben wir beim Throne Gottes, so viele Schutzgeister in den Gefahren dieses Lebens, so viele Helfer und Tröster in der Not; und wenn auch wir einstens an der Pforte der Ewigkeit stehen werden, so dürfen wir mit Zuversicht hoffen, von ihnen in die ewigen Wohnungen Gottes aufgenommen zu werden. Was wir im Leben für die Seelen im Fegfeuer getan haben, werden wir im Tode wiederfinden; Gott wird uns zum Lohne reichlichen Antheil an den Fürbitten und Opfern zukommen lassen,  welche die heilige Kirche beständig für die im Herrn Entschlafenen darbringt. Denn wie die geistigen Güter der Kirche den Gläubigen zur Zeit ihres Lebens nicht gleichmäßig, sondern nach dem Maße ihrer Verdienste und Würdigkeit zu Theil werden, so werden ihnen dieselben auch nach dem Tode nicht gleichmäßig zukommen, sondern im Verhältnisse zu den Verdiensten, die sich ein Jeder im Leben erworben, und nach dem Maße der Barmherzigkeit, die er gegen Andere ausgeübt hat. Man muss also glauben, dass die Hilfe der Kirche jenen reichlicher zu Theil werde, welche zur Zeit des Lebens in Ausübung guter Werke zum Troste der armen Seelen eifriger waren.


Büchlein zu den armen Seelen. zur Belehrung und Förderung der Andacht von Anton Schöff Priester aus der Versammlung des heiligsten Erlösers erschienen 1876 im Verlag von Georg Joseph Manz
  

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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #10 - 26.11.2020 um 14:26:27
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Leidenszustände der Seelen im Fegfeuer.

Die Leiden der armen Seelen im Reinigungsorte sind nach der Lehre der heiligen Väter zweifacher Art; nämlich Leiden, die, von einem unser kläglichen Feuer verursacht, ohne Vergleich größer und schmerzlicher sind, als Alles, was von Leid, Schmerz und Trübsal auf Erden sich findet; und Leiden, verursacht durch die Beraubung der Anschauung Gottes, welche Leiden als die größten zu erachten sind, die diese Seelen zu erdulden haben. Überdies werden diese zweifachen Leiden größer oder geringer sein, je nachdem die Schuld, die sie noch zu sühnen haben, eine größere oder geringere ist. Eine genauere Kenntnis von den Leidenszuständen dieser Seelen kann uns nur auf außer ordentlichem Wege zu Theil werden, und zwar so, dass entweder einzelne Personen besonderer Anschauungen des Fegfeuers und der verschiedenen Leiden daselbst von Gott gewürdiget wurden; oder dass mit besonderer Zulassung Gottes abgeschiedene Seelen an die Lebenden sich wenden, und ihnen Kunde von ihren Leiden bringen konnten, um diese dadurch zum Mitleid gegen sie zu bewegen. Erscheinungen dieser Art können wir aber durchaus nicht leugnen; es wäre ebenso vermessen, als töricht, wenn man alles, was in dieser Beziehung erzählt wird, als das Werk des Aberglaubens und des Betruges, oder als Vorspiegelungen krankhafter und erhitzter Einbildungskraft verdächtigen und verwerfen wollte, und zwar aus dem Grunde, weil derlei Ereignisse ganz übernatürlich und außer dem Kreise der eigenen Erfahrung liegen. Die Geisterwelt, mit der wir im innigsten Verbande stehen, ist ja keineswegs an die engen Grenzen des Raumes gebunden, die unserm leiblichen Leben gesetzt sind. Wenn derlei Ereignisse in keinem Widerspruche mit der heiligen Schrift und den Aussprüchen der heiligen Väter stehen, überdies durch unverwerfliche Zeugnisse bestätiget sind, so können wir vernünftiger Weise ihnen auch unsern Glauben nicht verweigern. Wir führen hier zu unserer Erbauung und zur Aufmunterung, den Seelen im Reinigungsorte umso tätiger unsere Liebe zuzuwenden, mehrere Erscheinungen und Erzählungen dieser Art an, die aus zuverlässigen Quellen entnommen sind; denn es sind Tatsachen, die teils in den Akten der Heiligen aufgezeichnet, oder von unverwerflichen Zeugen bestätiget sind. Hierher gehören zunächst die Erscheinungen, welche in den Akten der heiligen Perpetua vom Jahre Christi 203 erzählt werden. Als die heilige Perpetua im Gefängnisse sich zum Martertode vorbereitete, hatte sie eine außer ordentliche Erscheinung von ihrem Bruder, der im siebenten Jahre seines Alters an einem Krebs im Gesichte gestorben war. Einige Tage nach ihrer Verurteilung zum Martertode geschah es ihr, dass sie auf einmal mitten im gemeinschaftlichen Gebete der heiligen Bekenner, die gleich ihr im Kerker schmachteten, den Namen ihres verstorbenen Bruders Dinocrates laut nannte, ohne doch an ihn gedacht zu haben. Das hielt sie nun für einen Wink Gottes, für ihn zu beten, und sie flehte viel zu Gott für ihn unter vielen Seufzern. In der nächstfolgenden Nacht hatte sie eine Erscheinung. Sie sah ihren Bruder hervorgehen aus einem düstern Orte, wo noch viele andere waren.  Erschien ihr in großen Leiden, gequält von Hitze und von Durst, sah unreinlich aus und bleich, hatte auch im Gesichte die Wunde, an der er gestorben war. Perpetua betete für ihn; aber es war ein großer Zwischenraum, der sie von ihm trennte, und sie konnten nicht zu einander kommen. Vor ihm stand ein volles Wasserbehältnis, dessen Rand ihm über das Haupt reichte, und er streckte sich vergebens, aus demselben zu trinken. Das verursachte der heiligen Perpetua Kummer und Schmerz. Da kam sie plötzlich aus ihrer Entzückung zu sich und erkannte, dass ihr Bruder im Zustande der Läuterung sei und Vieles zu leiden habe, war aber voll Vertrauens, dass Gott ihr inbrünstiges Gebet für ihn erhören würde, mit welchem sie auch unaufhörlich anhielt; sie betete Tag und Nacht mit Tränen für ihren Bruder. Eines Tages, da sie in harten Banden gefesselt saß, wart ihr in einem Gesichte derselbe Ort, den sie früher düster gesehen hatte, lichthell gezeigt, und in ihm sah sie wieder ihren Bruder, der nun reinlich und schön gekleidet sich mit dem Wasser erfrischte. Die Wunde im Gesichte war verschwunden, der Rand des Wasserbehälters war jetzt so niedrig, dass er dem Knaben bis zur Mitte des Leibes reichte, und auf dem Rande lag eine Schale, aus welcher er trank, ohne dass das Wasser in ihr abnahm. Dann ging er davon, um nach Art der Kinder zu spielen. Und Perpetua er kannte, dass er von seiner Strafe befreit, und zur Anschauung Gottes gelangt sei. Aus dieser Erzählung müssen wir im Allgemeinen auf einen Zustand schwerer Seelenleiden schließen;


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Re: Arme Seelen- Verstorbene- Betrachtung
Antwort #11 - 27.11.2020 um 14:31:22
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Leidenszustände der Seelen im Fegfeuer.
Teil 2

Hitze und Durst werden als bildliche Zeichen dieser Leiden angegeben; durch den Durst ist die schmerzliche Sehnsucht nach der Anschauung Gottes ausgedrückt, und durch die Hitze die aus dieser Sehnsucht entspringende Seelenqual. Nach Erlösung der Seele ist dieser Durst gestillt, die Seele schwebt in einem Meere himmlischer Labung, sie trinkt aus dem Borne ewiger Wonne, ohne dass der Zufluss dieser Wonne abnimmt. Zugleich sehen wir aber auch aus diesem Gesichte, dass in der heiligen Kirche der Glaube an das Fegfeuer vom Anfange an immer allgemein gewesen, und dass die Leiden der daselbst sich befindenden Seelen durch das Gebet der Lebendigen gelindert und abgekürzt werden. Umständlicher werden die Leiden des Fegfeuers in einem Gesichte angegeben, das der heilige Augustinus dem heiligen Cyrillus, Patriarchen von Jerusalem, beilegt. Ohne besondere Peinen für die einzelnen Sünden anzugeben, erklärt der heilige Cyrillus die Peinen des Fegfeuers völlig gleichmit jenen der Hölle, nur darin verschieden, dass die Peinen des Fegfeuers nicht ewig dauern; aber die einen wie die andern sind so beschaffen, dass sie ebenso, wie die Seligkeit des Himmels, über alle Vorstellung sind. Auch sind nach ihm die Peinen der armen Seelen verschieden nach dem Maße der Schuld, die sie abzutragen haben. Diese Verschiedenheit der Leiden wird besonders in jenem Gesichte uns anschaulich gemacht, dass nach dem Berichte des heiligen Bonifaz ein Mensch, der im Kloster der Äbtissin Walburga gestorben, und wie der zum Leben gekommen ist, von den jenseitigen Zuständen erzählt. Nachdem dieser verschieden war, kam es ihm vor, als wäre mit Einemmale ein Tuch von seinen wachen Augen hinweggezogen worden, und es ist ihm nun alles sichtbar geworden, was ihm verborgen gewesen. Darauf ward seine Seele von einem Engel blendenden Glanzes vor den Richterstuhl Gottes geführt, wo auch andere Seelen scharenweise ankamen, und es begann dort zwischen den guten und bösen Geistern ein Streit um die vorgeführte Seele. Alle Sünden, die Jeder von Jugend auf begangen, treten nun vor ihn hin zeugen wieder ihn und klagen ihn schwer an, und die bösen Geister stimmen mit ihnen ein, und er schweren noch die Last der Schuld. Dagegen finden sich auch die Tugenden und guten Werke ein, stellen sich den Sünden entgegen, entschuldigen und beruhigen den Zitternden, und die guten Geister bekräftigen und erhöhen noch liebreich den Wert derselben. So sei es, erzählte er, mit ihm ergangen, und so mit Andern, die zu gleicher Zeit mit ihm gestorben sind. Unten in großer Tiefe aber erblickte er einen feuerquellenden Brunnen, nämlich den Reinigungsort, darin viele finstere Seelen in großer Trauer umherschwebten, und welchem alle jene Seelen, die nicht ganz rein sind, vom Gerichte auszueilen. Einigen gehen die Flammen bis zu den Knien, andern bis zur Achsel, noch andern aber bis über das Haupt, so dass sie vom Feuer ganz überströmt sind. Sie kommen aber dann, wenn sie ihre Schulden abgebüßt haben, viel schöner und klarer heraus, als sie früher gewesen sind.


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Antwort #12 - 28.11.2020 um 14:09:28
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Leidenszustände der Seelen im Fegfeuer.
Teil 3


Unter dem Reinigungsorte, im tiefsten Abgrunde, ward ihm die Hölle gezeigt, wo nur Heulen und Zähneklappern wohnt, weil die Barmherzigkeit Gottes nimmer dahin gelangt. Diese reinigenden Flammen, welche nach dieser Erzählung die Seelen mehr oder minder quälen, je nach dem Maße der zu sühnenden Schuld, dürfen wir uns nicht als ein wirkliches Kohlenfeuer vorstellen. Am furchtbarsten  werden immer diese Flammen als Flammen heiliger Sehnsucht und Liebe sein, in der diese gerechten Seelen unablässig nach ihrer Vollendung seufzen, die darin besteht, ungehindert mit Gott vereint zu sein, ihn anschauen und genießen zu können. Ein Feuer wird allerdings diese Seelen quälen, aber dieses Feuer ist ein übernatürliches, wovon wir uns keine Vorstellung machen können. Auch wird dieses Feuer, wie der heilige Augustinus sagt, die Empfindung aller jener Schmerzen bewirken, die wir uns auf Erden denken können, so dass wir es als keinen Widerspruch betrachten dürfen, wenn in verschiedenen Anschauungen vom Fegfeuer auch verschiedene Leiden der daselbst befindlichen Seelenangegeben werden; denn alle diese verschiedenen Schmerzen kann auf eine uns unbegreifliche Weise ein und dasselbe Feuer bewirken. (August. L. II.de Civit. Dei C. 15.) Der ehrwürdige Beda erzählt im fünften Buche der Geschichte des inländischen Volkes folgende Begebenheit, die auch von dem gelehrten Cardinal Bellarmin als historisch gewiss angeführt wird: Um diese Zeit, so erzählt Beda, hat sich in Britannien eine überaus merkwürdige Begebenheit zugetragen. Denn ein Mann, namens Drithelmus, der schon eine Zeit lang tot war, ist zum Erstaunen der Lebendigen wieder ins Leben zurückgekehrt und hat viel Merkwürdiges erzählt, das er gesehen hat. Er war ein Familienvater in Norden im Lande der Humbrer, der mit seinen Hausgenossen ein gottesfürchtiges Leben führte. Er wurde von einer Körperschwäche befallen, und da diese von Tag zu Tag zunahm, kam es mit ihm aufs Äußerste und er starb bei einbrechender Nacht. Am andern Tage in der Dämmerung aber lebte er wieder auf; da er sich nun plötzlich aufrichtete, überfiel Alle, die weinend bei dem Leichname saßen, ungemeiner Schrecken. Alle flohen davon, nur seine Frau blieb zurück, obschon sie zitterte und erblasste; und er tröstete sie und sprach: „Fürchte dich nicht, denn mir ist es abermals gestattet, noch länger auf dieser Erde zu leben, doch nicht mehr so, wie ich ehedem lebte.“ Und erstand auf, ging zum Kirchlein des Dorfes und verharrte da lange im Gebete. Bald darauf hatte er Alles, was er besaß, in drei Teile geteilt, wovon er den ersten Teil seiner Frau, den andern seinen Kindern übermachte, den dritten behielt er für sich und verteilte ihn sogleich unter die Armen. Nicht lange darauf machte er sich von allen Weltsorgen frei, kam zum Kloster Mailros, und nach dem er daselbst das klösterliche Gewand erhalten, trat er in den Ort der stillen Behausung, den der Abt für ihn angewiesen hatte. Hier lebte er bis zu seinem Tode in solcher Bußübung, dass es schon seine Lebensweise aussprach, wenn auch die Zunge es auszusprechen nicht vermochte, wie viel Furchtbares er von den jenseitigen Zuständen der Seelen im Reinigungsorte gesehen. Er erzählte, dass ihm der Reinigungsort wie ein großes Tal von unabsehbarer Breite und Tiefe gezeigt wurde, das zur einen Hälfte entsetzlich war durch stets auf lodernde Flammen, und zur andern nicht minder unerträglich durchschneidende Kälte, die Alles durchwehte und erstarrte. Dieses Schmerzenstal sah er mit Seelen der Menschen angefüllt, welche abwechselnd hierher und dorthin, wie von Sturmesgewalt getrieben zu werden schienen.


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